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Ufo-Experte Werner Walter"Da platzen die Träume"

Der Betreiber einer Ufo-Hotline hat den Glauben an die Außerirdischen schon fast verloren: zu viele Ufo-Meldungen. Derzeit häufen sich die Sichtungen in - Hannover.

taz: Herr Walter, sind in Hannover die Aliens eingezogen?

Werner Walter: Es gibt seit Kurzem aus dem Raum Hannover besonders viele Meldungen - vorher war es dort relativ still. Ich konnte es mir gar nicht erklären und hab nachgefragt, was denn in Hannover so los ist.

Und was ist los?

Partybegeisterte lassen Himmelslaternen fliegen, die aus der Ferne wie merkwürdige Lichter aussehen. Seitdem es die Himmelslaternen zu kaufen gibt, gibt es in der gesamten Republik einen gewaltigen Schwall von Ufomeldungen.

Überall in Deutschland?

Ja, seit Pfingsten 2007 gibt es scheinbar eine Mega-XXL-Ufo-Invasion. 30 Jahre mache ich schon den Job und ich dachte langsam ans Aufhören. Plötzlich kamen die Himmelslaternen - und 800 Anrufe und E-Mails von Pfingsten bis September.

In einigen Bundesländern sind diese Laternen verboten. Macht Ihnen das Hoffnung?

Die Leute sind über das Verbot nicht informiert - sie lassen noch immer die "glühende Himmelspest" steigen - so nennen wir die Himmelslaternen.

Haben Sie mal Ufos gesehen?

Ja, als Jugendlicher habe ich mehrmals unidentifizierte Flugobjekte, also Ufos gesichtet. Aber im Sinne von Meteoriten. Ich wollte damals beweisen, dass Außerirdische auf der Erde leben - jugendliche Spinnereien. Heute halte ich nicht mehr Ausschau.

Wie stellen Sie sich Außerirdische vor?

Keine Ahnung. Ich weiß es nicht.

Machen Sie sich keine Vorstellung?

Ich mach mir lieber Vorstellungen davon, wie ich Samstagabend eine Million gewinne. Allein auf der Erde gibt es so viele unterschiedliche Lebensformen - weiß der Geier, was es da draußen gibt - wenn es da was gibt.

Herr Walter, glauben Sie etwa nicht mehr, dass Außerirdische die Erde besuchen werden?

Mittlerweile ist es mir egal, ob wir Außerirdische sichten werden oder nicht. Bei streckenweise 100 Anrufen zu jeder Tages- und Nachtzeit finde ich das Thema nicht mehr prickelnd.

Wie kam es zu dem Sinneswandel?

Das kommt mit der Zeit, wenn man Fälle untersucht und mit anderen abgleicht. Da platzen dann gleich die Träume.

Das heißt, sie haben keine Hoffnung mehr?

Ich sags mal so: Selbst Scully und Mulder haben keine Hoffnung mehr. Sie sehen im letzten Akte X-Film, ich hatte mich so darauf gefreut: Und dann kam da so ein Scheiß raus.

Ich hab den Film nicht gesehen.

Brauchen Sie auch nicht. Das alte Akte X-Gefühl ist weg. Eine einfache Krimihandlung - es geht um Menschenversuche. Nichts Paranormales. Deswegen ist der Film auch ein Flop.

Ihr Ufo-Melde-Telefon stellen wir uns übrigens rot vor. Haben wir recht?

Nee, grau. Wenn das Telefon rot wäre, dann würde ich ja nur noch rot sehen.

Wäre das so schlimm?

Im letzten Jahr hatten wir insgesamt 600 Meldungen - 50 allein in der Silvesternacht. Das ist doch der pure Wahnsinn!

Sehr viel Stress - denken Sie über einen Nachfolger nach?

Es meldet sich ja keiner. Wir sind hier 25 ehrenamtlich Arbeitende und können gar nicht mehr alle Fälle bearbeiten. Wenn sich die Leute melden, dann sind sie sehr hysterisch. Da ist es völlig wurscht, wer anruft - ob es nun Tante Emma, ein Polizeikommissar oder ein Pilot ist - alle sind aufgeregt.

Haben Sie ein Beispiel?

Eine Dame aus Hamburg rief mich an. Sie wohnt in einem Hochhaus, saß am Samstagabend gemütlich auf dem Balkon, rauchte und hörte Musik. Da kommen 12 bis 15 orange-rote Lichter geräuschlos herbei und ziehen in breiter Formation gemächlich in Richtung Stadtzentrum. Die Frau konnte sich das nicht erklären. Als sie mich anrief, hat es so komisch gehallt - ich fragte sie, wo sie sei, in der Telefonzelle? Sie hatte sich unter dem Wohnzimmertisch versteckt. Diese Lichter hatten ihr so starke Angst eingejagt.

Und was haben Sie ihr gesagt?

Ich habe ihr erzählt, dass das vermutlich nur Himmelslaternen waren. Man konnte förmlich spüren, wie ihr ein Stein vom Herzen fiel.

Fühlen Sie sich wie die Telefon-Seelsorge der deutschen Ufo-Sichter?

Ja, total.

INTERVIEW: KÜBRA YÜCEL

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