Radikal infantil und radikal versaut. "Stiefbrüder", produziert vom großen Adoleszenztheoretiker Judd Apatow, erzählt von Männern, die nicht erwachsen werden wollen.von EKKEHARD KNÖRER
Eine Tragödie: Brennan Huff (Will Ferrell) und Dale Doback (John C. Reilly) müssen mit ansehen, wie Dales Vater Robert (Richard Jenkins) und Brennans Mutter Nancy (Mary Steenburgen) sich wieder verheiraten. Schlimmer: Das frisch verheiratete Paar zieht zusammen. Noch schlimmer: Brennan und Dale ziehen mit und müssen sich im Haus der Eltern ein Zimmer teilen. Das eigentliche Problem: Brennan und Dale sind beide knapp vierzig. Klarer Fall: Wir haben es mit einer Komödie aus dem Hause des großen Adoleszenztheoretikers Judd Apatow zu tun. Der Regisseur von "Jungfrau (40), männlich, sucht..." und "Beim ersten Mal" hat hier zwar nur produziert, aber die entwicklungsgestörten "Männer", die uns vorgeführt werden, sind aus dem Apatow-Oeuvre nur zu vertraut.
"Stiefbrüder" freilich ist radikal wie nie. Radikal infantil, radikal pubertär, radikal versaut. Hier wird zur Fernsehwerbung onaniert, hier wird mit dem Fuß gestampft, gegreint und sich im Vorgarten verprügelt. Hier werden, als Folge eines sich aufschaukelnden Bruderkonkurrenz-tit-for-tat, in Großaufnahme die unappetitlichsten Körperteile des Mannes am Schlagzeug gerieben. Roger Ebert, eigentlich ein recht hartgesottener Filmkritiker, war der Meinung, das gehe jetzt endgültig zu weit.
Aber natürlich können Komödien niemals zu weit gehen. Ist das Niveau erst radikal tiefergelegt, amüsiert es sich richtig ungeniert. Außerdem ist ja was dran an der Unlust aufs Erwachsensein, die die "Stiefbrüder" demonstrieren. Der im Leben erfolgreiche große Bruder ist ein Arschloch, das Frau und Kinder im Auto zu chorischem Singen zwingt. Und die Arbeitswelt, in die Brennan und Dale vordringen wie an die Front gezwungene Krieger, gehört durch genussreiches Dauerfurzen sabotiert. In Ermangelung einer wirklich brauchbaren gesellschaftlichen Gegenvision setzen die Brüder immerhin elementare Körperfunktionen gegen die Zumutungen hierarchisch geregelter ödester Berufstätigkeit.
"Get a life", verlangt die Mitwelt von Brennan und Dale. Aber sie wollen kein Leben. Nicht das jedenfalls, was den Erwachsenen als solches so vorschwebt. Sie wollen ihr Baumhaus, sie wollen ihre Pornozeitschrift, sie wollen kaputtmachen, was sie kaputtmacht (und, nun ja, den Rest eigentlich auch). Im Verzicht auf Verantwortung liegt ihre Glückseligkeit. Das kann nicht gutgehen. Der Film sieht das ein und bahnt seinen Helden dann doch einen gangbaren Weg ins richtige Leben. Sie machen dazu gute Miene und sogar Musik. Erstaunliche Musik. Toller Film.
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