Evangelikalen-Kongress in Marburg

Auftritt der Homo-Umpoler

Zu einem christlichen Kongress an der Marburger Uni sollen Referenten auftreten, die Umpolungstherapien für Homosexuelle propagieren. Trotz Protest sieht die Uni keinen Handlungsbedarf.

Nach harscher Kritik wurden schon auf dem Christival 2008 in Bremen Seminare zum Thema "Homosexualität verstehen" abgesagt. Jetzt gibt es einen neuen Versuch in Marburg.  Bild: dpa

BERLIN taz Ein für Mitte Mai geplanter "Kongress für Psychotherapie und Seelsorge" bibeltreuer Christen im hessischen Marburg sorgt für Unmut. Kritiker befürchten, dass in Räumen der Universität und in der Stadthalle die "Umpolung" von Homosexuellen propagiert werden soll. Politiker von Grünen und SPD und der Lesben- und Schwulenverband stören sich vor allem an zwei Referenten. Markus Hoffmann, Leiter des Vereins "Wüstenstrom", und Christl Vonholdt, Leiterin des "Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft" (DIJG) - beides schillernde Figuren in der evangelikalen Szene.

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"Wüstenstrom" bietet seit längerem einen "Therapie- und Seelsorgeprozess" an, der zur Abnahme homosexueller Gefühle führen soll. Diese "Therapie", so hat es das Frankfurter Landgericht im vergangenen Jahr entschieden, darf als "Umpolung" Homosexueller bezeichnet werden. Auf dem Marburger Kongress, zu dem mehr als 1.000 Teilnehmer erwartet werden, will Hoffmann in einem Seminar zum Thema "Reifung in der Identität als Frau und als Mann" unter anderem über eine als "konflikthaft empfundene Sexualität" referieren.

Vonholdt und ihr DIJG unterstützen nach eigenen Angaben die sogenannte "Reparativtherapie", deren Ziel es sei, Homosexuelle auf dem "Weg der Veränderung hin zur Entwicklung ihres heterosexuellen Potentials therapeutisch zu begleiten". Homosexualität, so schreibt Vonholdt in einer ihrer Publikationen, sei "ein Hinweis darauf, dass etwas Tieferliegendes - und zwar die Verunsicherung in Bezug auf die eigene geschlechtliche Identität - heil werden soll".

Das Seminar in Marburg trägt den Titel "Weibliche Identitätsentwicklung und mögliche Probleme". Das DIJG bestreitet, dass es sich dabei um ein "Umpolungsangebot" handelt.

Im vergangenen Jahr wollte das DIJG auf dem Evangelikalen-Happening "Christival" in Bremen ein Seminar mit dem Titel "Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung" abhalten, das nach heftigen Protesten aber abgesagt wurde.

Die Bundesregierung hatte in Zusammenhang mit dem Streit um das vom Familienministerium unterstützte "Christival" festgestellt: "Die Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, dass Homosexualität einer Therapie bedarf, noch dass Homosexualität einer Therapie zugänglich ist." "Konversions"- oder "Reparations-Therapien", die auf eine Änderung der homosexuellen Orientierung abzielten, könnten zu Ängsten, sozialer Isolation, Depressionen bis hin zu Suizidalität führen.

Nun regt sich auch Widerstand gegen den Kongress in Marburg. Der Lesben- und Schwulenverband protestiert gegen "gefährliche Umpolungsangebote". Die Hessen-Grünen sprechen von einem "Homophobie-Kongress", den es zu verhindern gelte. Und der Marburger SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Spies sagt: "Die Landesregierung muss sicherstellen, dass es in Landeseinrichtungen nicht zu diskriminierenden Äußerungen über Homosexuelle kommt."

Martin Grabe, Vorsitzender der evangelikalen "Akademie für Psychotherapie und Seelsorge", die den Kongress veranstaltet, wehrt sich gegen die Kritik. "Hier sollen Referenten mundtot gemacht werden", sagte er. "Das ist eine nicht hinnehmbare Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit."

Marburgs Oberbürgermeister, Egon Vaupel (SPD), geht bisher nur vorsichtig auf Distanz zu dem Kongress. "Sollte es zutreffen, dass Herr Hoffmann und Frau Vonholdt Positionen vertreten, die sich gegen homosexuelle Identitäten und Lebensweisen richten, distanziere ich mich", teilte er mit. Der Mietvertrag für die Stadthalle solle aber nicht aufgehoben werden.

Die Universität betont, dass sie inhaltlich nichts mit der Tagung zu tun habe. Die Räume seien für knapp 5.000 Euro an den Veranstalter vermietet worden, sagte eine Sprecherin. Bisher sehe die Universität keinen Handlungsbedarf, zumal die Seminare zeitlich so gelegt worden seien, dass eine Störung des Unibetriebs ausgeschlossen sei. Der Auftakt des Kongresses ist ausgerechnet am Abend vor Christi Himmelfahrt.

 

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