Kommentar von ULRICH SCHULTE
Mitten in der Krise vertrauen die Menschen ausgerechnet den Parteien, die für neoliberale Ideen stehen - obwohl die Krise den Neoliberalismus als Ideologie scheinbar erledigt hat. Dies ist das auffälligste Ergebnis der Europawahl in Deutschland. Wäre es am Sonntag um die Neubesetzung des Bundestags gegangen, hätte Schwarz-Gelb knapp an einer absoluten Mehrheit gekratzt. Merkel, Westerwelle und Co dürfen sich gestärkt fühlen, während der SPD die Aufholjagd gründlich misslungen ist - sie liegt weit abgeschlagen hinter den Konservativen.

Ulrich Schulte leitet das Inlandsressort der taz. Foto: anja weber
Auch die Union musste Verluste hinnehmen, dennoch erscheint sie den Menschen offenbar als die geeignetere Krisenmanagerin. Kein Wunder, unter Merkel ist die CDU mittlerweile in fast alle Richtungen anschlussfähig. Während die Kanzlerin, ohne mit der Wimper zu zucken, eine Staatsbürgschaft für Opel mitträgt, funktioniert Wirtschaftsminister Theodor zu Guttenberg als ordnungspolitisches Feigenblatt, der den marktliberalen Flügel bedient. Und wem dieses weichgespülte Marktprogramm nicht mehr reicht, wählt eben FDP. Die Liberalen haben auch durch solche Überläufer ihr Ergebnis beinahe verdoppelt.
Und so banal es ist: Wenn Unternehmen und Banken wanken, wählen viele Menschen wieder diejenigen, bei denen sie Wirtschaftskompetenz vermuten. Die Krise macht konservativ. Auch wenn sie gerade durch Rezepte der Marktapologeten ausgelöst wurde - ebenjene profitieren nach wie vor von jahrzehntelanger Diskurshoheit. Es ist eine absurde Volte, dass sich dies bei der Europawahl so deutlich zeigt. Denn in der EU lassen sich Banken regulieren, soziale Standards wie Mindestlöhne festlegen oder die Wirtschaft ökologisieren.
Für die SPD ist das Ergebnis nicht weniger als eine Katastrophe. Sie hat es nicht geschafft, ihre WählerInnen zu mobilisieren, obwohl sie sich als Verfechterin des starken Staates geriert. Wobei sich ja allem auch Positives abgewinnen lässt: Nach dieser Klatsche ist jedem Genossen klar, dass es jetzt ums Ganze geht. Und mancher politikverdrossene, aber SPD-nahe Bürger wird vielleicht doch zur Bundestagswahl gehen - obwohl er es eigentlich nicht vorhatte.
Bei der Neuwahl am 17. Juni dürfen die Rechten mit dem Einzug ins Parlament rechnen. Die bürgerlichen Parteien des Landes müssten eine Front gegen Rechtsradikalismus bilden. von Jannis Papadimitriou
Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

NRW hat gewählt. Die taz hat sich mal angeschaut, wie kreativ die Parteien waren und was das über die KandidatInnen aussagt.

„Verspätet“ – in Berlin trifft das nicht nur einzelne Flüge, sondern ganze Flughäfen. Und was passiert nun in der Hauptstadt?

Leserkommentare
11.06.2009 08:16 | vic
@ dietah ...
10.06.2009 16:25 | karl ilnyzckyj
Paris, den 10.6.2009 ...
09.06.2009 01:03 | Fiasco
Ganz wichtig nach der Wahl wird ein ordentlicher Personalwechsel um aus dieser Lethargie herauszukommen. ...