2,2 Millionen Beschäftigte arbeiten für weniger als sechs Euro die Stunde. Nun streiten Sozial-Experten, ob der Billiglohnsektor wächst.von BARBARA DRIBBUSCH
Die Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor ist 2007 um 350.000 Personen gestiegen. Zu diesen Berechnungen kommt das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Gleichzeitig gebe es im Niedriglohnsektor immer mehr Leute, die zu ganz besonders geringen Entgelten tätig sind, heißt es in der neuen Studie. Ob sich der Niedriglohnsektor in Deutschland tatsächlich ausweitet oder nicht - darüber ist jetzt ein Streit unter führenden Forschungsinstituten entbrannt.
Nach den vom IAQ vorgestellten Werten - neuere Zahlen gibt es nicht - arbeiten in Deutschland 6,5 Millionen Menschen für Stundenlöhne unterhalb der Niedriglohnschwelle. Diese liegt bei zwei Dritteln des mittleren Lohnes und betrug im Jahre 2007 in Westdeutschland 9,62 Euro und in Ostdeutschland 7,18 Euro brutto pro Stunde. Leute mit Berufsausbildung oder Studium stellen inzwischen fast 80 Prozent der Niedriglöhner.
Trotz der deutlichen Zunahme der Betroffenen in absoluten Zahlen ist der prozentuale Anteil der Niedriglöhner an allen ArbeitnehmerInnen gegenüber 2006 nur geringfügig gestiegen, räumen die IAQ-Arbeitsmarktexperten Thorsten Kalina und Claudia Weinkopf ein. Dies liege daran, dass auch die Beschäftigung insgesamt zugenommen habe. Genau diese stagnierenden Prozentzahlen aber nahm das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einigen Monaten zum Anlass, von einem Stillstand im Niedriglohnsektor zu sprechen.
Durch Berechnungen, die sich ebenfalls auf 2007 und 2006 beziehen, kam das DIW überdies zu dem Schluss, der Trend zur zunehmenden Lohnungleichheit sei "gebrochen". Das DIW hatte in seinen Berechnungen allerdings die Lohnspreizung aller abhängig Beschäftigten, also auch der Hochverdiener, einbezogen.
Von einer "Trendumkehr" zu sprechen sei aber "nicht angemessen", rügt nun das IAQ. Denn innerhalb des Niedriglohnsektors gebe es nochmal eine Entwicklung hin zu sinkenden Entgelten. Der durchschnittliche Lohn in diesem Bereich sei in den vergangenen Jahren inflationsbereinigt gesunken. Fast 2,2 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland zu einem Bruttostundenlohn von unter 6 Euro. "In Deutschland ist das Lohnspektrum in einem Ausmaß nach unten ausgefranst, das in anderen Ländern aufgrund von Mindestlöhnen nicht möglich wäre", bemängelt Claudia Weinkopf vom IAQ.
Die unterschiedlichen Einschätzungen der Institute könnten auch mit der Debatte um Mindestlöhne zu tun haben. Die IAQ-Forscher stehen staatlichen Mindestlöhnen wohlwollend gegenüber, hingegen hat das DIW mehrfach auf drohende Beschäftigungsverluste durch eine staatliche Lohnuntergrenze hingewiesen.
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Leserkommentare
11.02.2011 17:54 | Marion Manneck
Die Statistik im Niedrigst- und Niedriglohnsektor ist doch überprüfbar. Die Institute sollten sich mit der Agentur für Arbe ...
11.02.2011 17:54 | Tom Häfele
Unter anderem arbeite ich in Osnabrück für Transfergesellschaften und Fortbildungsunternehmen mit Menschen, die keinen Job ...
11.02.2011 17:54 | Zoe
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