Kommentar von MARKUS VÖLKER
Der Kern der Wette ist die Quote. Damit kennt sich offenbar auch Theo Zwanziger aus. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes hat kurz überschlagen und festgestellt, dass 32 vermeintlich verschobene Spiele bei 1,4 Millionen Partien, die je Saison unter dem Dach des DFB ausgetragen werden, eine Lappalie sind. Peanuts, mehr nicht.
Zwanziger gibt vor, die Aufregung nicht recht zu verstehen. Dabei handelt es sich um den größten Wettskandal in Deutschland, der die Betrügereien von Robert Hoyzer und seiner kroatischen Mittäter noch übersteigt.
Außerdem hat das elektronische Überwachungssystem des DFB zur Entdeckung von Tricksereien kläglich versagt. Denn die Strukturen des Wettgeschäfts und die Möglichkeiten zum Wettbetrug sind mittlerweile so komplex, dass sie mit dem Radar des DFB nicht erfasst werden können. Wie will man Betrüger entlarven, wenn sie ihre Einsätze über verschiedene, teils illegale Wettbüros verteilen? Wie sollen sie aufgespürt werden bei dem Wust an Spezial- und Livewetten im Internet? Man bräuchte ein Heer an Überwachern, eine Armee von Detektiven. Der DFB hat sich und den Fußballfans also etwas vorgemacht.
Zwanzigers Blitzrechnung führt zudem in die Irre, wenn er unter 1,4 Millionen Spielen alle Kicks subsummiert, von der Leipziger Stadtklasse III bis zur Ersten Bundesliga. Denn gewettet werden kann nur auf höherklassige Spiele.
Zwanzigers Replik ist deshalb polemisch und kleingeistig. Ihm ist nicht recht, dass der DFB vom neuerlichen Wettskandal überrascht wurde. Nur der europäische Verband Uefa war in die Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft eingebunden. Schwer wiegt vor allem der stille Vorwurf aus Bochum, der DFB hätte die Ermittlungen womöglich sogar behindert. Das kommt einer Majestätsbeleidigung gleich. Kein Wunder, dass der hohe Herr des deutschen Fußballs verstimmt ist.
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