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Kommentar Italien Lega NordHumor à la Ku-Klux-Klan

Michael Braun

Kommentar von

Michael Braun

Die Lega Nord kann sich darüber freuen, die Grenzen dessen, was rassistisch so geht, ganz offiziell und von oben wieder ein kleines Stück verschoben zu haben.

Bloß ein "humoristischer Einfall" der Stadtpolizei sei es gewesen, eine Aktion gegen örtliche Ausländer "White Christmas" zu nennen, erklärte der Bürgermeister im norditalienischen Coccaglio. In Reihen der Lega Nord ist dieser Ku-Klux-Klan-Humor ganz normal. Parteichef Umberto Bossi etwa findet nichts dabei, Schwarze "Bingo Bongos" zu nennen. Und Giancarlo Gentilini, einst Bürgermeister in Treviso, stieg zum Helden der Lega auf, als er den witzigen Einfall hatte, man könne Immigranten ja als Hasen verkleiden, um italienische Jäger an ihnen üben zu lassen.

So sind Rassisten und Populisten überall. Aber in Silvio Berlusconis Italien dürfen sie mitregieren und mit Roberto Maroni auch gleich den Innenminister stellen. Das hat für die im Land lebenden Ausländer spürbare Folgen, denn in Rom werden jene Gesetze gemacht, die den Kommunalpolitikern der Lega als Grundlage für ihre fremdenfeindlichen Aktivitäten dienen. Von Schikanen gegen Kebab-Buden über feuerpolizeilich begründete Verbote von Moscheen bis hin zur jetzt organisierten kommunalen Rasterfahndung nach "Illegalen".

Der Rassismus von oben hat auch Folgen für die demokratische Kultur des Landes. Außer den "üblichen Verdächtigen" - den Linken, den Gewerkschaften, der Caritas - regt sich in Italien kaum noch jemand auf, wenn die Lega wieder ein Beispiel ihres aggressiven Rassismus liefert. Von einem öffentlichen Aufschrei ist da keine Spur, erst recht nicht von einer politischen Ächtung der Lega Nord - von einer Ausgrenzung aus dem Kreis jener Parteien, mit denen Demokraten sich einlassen. Und so sieht auch der jüngste Skandal um die sogenannte Säuberungsaktion am Ende bloß wieder die Lega Nord als Gewinner. Sie kann sich darüber freuen, die Grenzen dessen, was rassistisch so geht, ganz offiziell und von oben wieder ein kleines Stück verschoben zu haben.

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Michael Braun

Michael Braun Auslandskorrespondent Italien

Promovierter Politologe, 1985-1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Unis Duisburg und Essen, seit 1996 als Journalist in Rom, seit 2000 taz-Korrespondent, daneben tätig für deutsche Rundfunkanstalten, das italienische Wochenmagazin „Internazionale“ und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Büro Rom der Friedrich-Ebert-Stiftung.
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8 Kommentare

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  • B
    Brathecht

    @Sven:

    Bitte dabei bedenken, dass die Regelung zur "illegalen Einwanderung" in Italien anders sind als hier.

    Sagen wir mal, dass Ali G. (36) im Jahr 2004 nach Italien gekommen ist, seine Vorkenntnisse in der italienischen Sprache rasch ausgebaut hat, voll integriert ist und auch ziemlich schnell eine Arbeit gefunden hat, aber weiterhin türkischer Staatsbürger ist. Nur verliert er im Oktober 2008 seinen Arbeitsplatz und ist nach italienischem Recht somit augenblicklich ein "illegaler Einwanderer", der abgeschoben werden darf. Das geht so einfach nicht. Nur weil "für Italiener" auch nicht genug Arbeitsplätze da sind, muss ihm doch die Möglichkeit gegeben werden eine neue Anstellung zu finden bevor man ihn in Handschellen in ein Flugzeug setzt.

  • M
    mello

    @Sven

     

    Wenn Rassisten nicht Rassisten genannt werden wollen, dann gehen sie auf rassistsische Gesetzte ab, die umgesetzt werden müssen, weil's Gesetze sind.

     

    Damit können sie sich "gesetztestreu" schimpfen.

  • M
    mart

    Mein Gott, was bin ich wieder schockiert!!!

  • S
    Sven

    Bitte mehr davon, auch auf europäischer Ebene. Ausser dem fragwürdigen Humor ist daran gar nichts rassistisch. Der Staat hat unerwünschte Einwanderung zu unterbinden und Illegale abzuschieben statt zu legalisieren. Weiter so!

  • JS
    julian schmulian

    @alcibiades

     

    du meinst wohl, wie oft will er sich noch "wählen" lassen. ;)

  • A
    alcibiades

    @garibaldi: es beschleicht einen nur leider der Eindruck, dass "nach berlusconi" erst kommt, wenn dieser stirbt - wie oft wollen denn die Italiener den denn noch wählen??

  • B
    bichette

    Schäbiger kann man sich "Christmas" nicht vorstellen. Da gehen diese Lega- und sonstigen Nazi-Leute zur Mitternachtsmesse, um das Geburtsfest Christi zu feiern, wohl wissend dass der christl.Legende nach auch dessen Familie als Fremde nach Bethlehem kamen. Verlogenheit kennt keine Grenzen.

  • G
    Garibaldi

    Der Vorfall muss nach Brüssel - im Land selbst wird das nur zu einer gängigen rechts/links-Debatte degenerieren.

    Aber trotzdem: dass sich in Italien "sonst" keiner aufregt, ist sehr sehr vereinfacht dargestellt. Es gibt eine starke linke und liberale Kultur, leider primär in den Bildungsschichten - z.B. unter Studenten. Der Rest der Bevölkerung ist un-politisch, unter-bezahlt, desillusioniert und einfach "menefregista" - in other words: "ist mir doch egal - mir geht's auch scheiße". Aber wie ich mich auf meine Landsleute verlassen kann: Auch der Rechtspopulismus wird kein Dauerzustand und nach Berlusconi ist damit eh vorerst Schluß. Pazienza - Geduld!