Von Erderwärmung stark betroffen

China will mehr fürs Klima tun

Ein Großteil der Zunahme des weltweiten CO2-Ausstoßes stammt aus dem Reich der Mitte. Dabei leidet das Land unter der Erderwärmung.

Schanghai, die alte Hafenmetropole Chinas, trägt einen Namen, der nach Fernweh und Abenteuer klingt. "Über dem Meer" heißt Schanghai übersetzt. Wenn sich die düsteren Prognosen von Klimaforschern bewahrheiten, müssen die 20 Millionen Bewohner ihre Stadt wohl besser "Xiahai" nennen, das heißt "im Meer".

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Immerhin könnten die Ozeane bis zum Ende des Jahrhunderts um mehr als einen Meter anschwellen - im schlimmsten Fall bis zu zwei Meter. Noch vor kurzem sagten Wissenschaftler nur einen Anstieg um 30 bis 65 Zentimeter voraus. Die schlechtere Prognose bedeutet: Die salzigen Fluten drängen in Flüsse, angeschwemmtes Neuland mit neuen Ortschaften würde zerstört, die ohnehin knappen Trinkwasservorräte wären gefährdet.

Solche Szenarien werden in China sehr ernst genommen. Schon jetzt suchen Taifune den Südosten des Landes deutlich häufiger und stärker heim als bisher. Im Nordwesten breiten sich die Wüsten aus. "Wenn es so weitergeht, könnte es hier bereits Mitte des Jahrhunderts um 3,3 Grad Celsius wärmer sein als 2000", sagt Eva Sternfeld, China-Umweltexpertin an der Technischen Universität in Berlin. Chinesische Forscher und die Politiker wissen, dass Energiesparen und Umweltschutz im ureigensten Interesse liegt.

Das Land ist neben den USA größter Klimasünder der Erde. Knapp siebzig Prozent des gesamten Stroms, der in China erzeugt wird, stammt aus Kohlekraftwerken. Sauberes Erdgas hingegen ist knapp.

Mittlerweile hat Peking seine Verhandlungsgrundlage für die Weltklimakonferenz in Kopenhagen vorgelegt. Bis 2020 sollen die Fabriken und Kraftwerke des Landes im Vergleich zum Jahr 2005 bei gleich bleibender Produktion "40 bis 45 Prozent" weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) in die Luft blasen.

Da die chinesische Wirtschaft trotz der weltweiten Finanzkrise um derzeit rund acht Prozent wächst, produziert sie mehr Kohlendioxid als bisher. Der Höhepunkt der chinesischen Emissionen wird erst zwischen 2030 und 2040 erreicht sein, schätzen Wissenschaftler.

Lange Zeit hatte die chinesische Regierung sich geweigert, konkrete Reduktionsziele zu nennen. Das jetzt festgelegte Ziel ist zudem international nicht bindend. Ausländische Kontrolleure werden nicht zugelassen. Innerhalb des Landes sollen die Vorgaben aber Gesetz werden: "Wir werden Statistiken, Kontrollen, Kriterien für die Bewertung der Bürokratie und ein Verantwortungssystem nutzen, um diese Ziele zu erreichen", erklärte Klima-Politiker Xie Zhenhua.

Gleichzeitig kündigt die chinesische Führung an, Energien aus Sonne, Wind, Biomasse und Atomkraft im kommenden Jahrzehnt "auf etwa 15 Prozent" des Energiebedarfs zu steigern. Derzeit stammen rund neun Prozent aus erneuerbaren Energien. Zudem will China 40 Millionen Hektar Wald pflanzen - für jeden Weltbewohner sechs neue Bäume.

Vorwürfe aus dem Ausland, nicht genug für den Klimaschutz zu tun, weisen chinesische Funktionäre und Wissenschaftler zurück. Die Industriestaaten seien bis 1950 für 95 Prozent aller CO2-Abgase verantwortlich gewesen, heißt es. Und: Jeder Amerikaner produziere sechsmal so viel CO2 wie ein Chinese. Deshalb gebe es eine "gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortung" für die Folgen der globalen Erwärmung, lautet die offizielle Formel der Regierung.

 

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