piwik no script img

Kommentar Kritik am BachelorVor dem nächsten Aufstand

Kommentar von

Christian Füller

In der Kritik steht das Bachelorsystem als Ganzes und muss hinterfragt werden. Wer glaubt, diese Hochschulkrise mit einer neuen Prüfungsordnung lösen zu kennen, liegt falsch.

Typisch Kultusminister. Seit Wochen steht der Bachelor-Kurzstudiengang im Fokus der Kritik. Studenten, Professoren und das Feuilleton nehmen den verstopften Studiengang ins Visier: Und nun versuchen Minister, die ihn jahrelang als die größte Studienreform seit Wilhelm von Humboldts neuer Universität feierten, den Bachelor in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wieder zusammenzuflicken - in einem Gremium, das niemand kennt: dem Akkreditierungsrat.

So geht das nicht. Ob Studenten eine Prüfung mehr oder weniger ablegen müssen und ob sie dafür Noten kriegen, ist doch nicht die Frage. In der Kritik steht das Bachelorsystem als Ganzes. Dazu gehört das Zuständigkeitschaos (Wer verantwortet den Bachelor eigentlich?), die kostenneutrale Einführung und natürlich das vermaledeite Akkreditierungssystem, das um die Studiengänge herum errichtet wurde. Das alles muss hinterfragt werden.

Dem Land gehen bald die Ingenieure und der qualifizierte Nachwuchs aus. Der von Bildungsministerin Annette Schavan jetzt bejubelte Studentenboom ist doch nur ein Zufallstreffer der Demografie: eine Folge der letzten geburtenstarken Jahrgänge und einer doppelte Abiturgeneration. Aber die Hochschulen sind überhaupt nicht darauf vorbereitet. Das bedeutet: Die Kultusminister haben mit ihrem dilettantischen Bachelor die Unis schon für den Normalbetrieb lahmgelegt. Ab kommendem Jahr stürzt eine neue Welle an Abiturienten auf die Hochschulen ein - und keiner weiß, wie und wo man sie schlau machen könnte. Wer glaubt, diese Hochschulkrise mit einer neuen Prüfungsordnung lösen zu kennen, hat noch keinen Studentenprotest erlebt. Der wahre Aufstand der genervten Bürgerkinder steht erst noch bevor.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • F
    Frank_gerstner

    Der Bachelor gehört "entrumpelt", die Prüfungsdichte verringert. Studenten brauchen Zeit, um soziale Kompetenzen durch Auslandsaufenthalte, Nebenjobs, Praktika, soziale Engagements etc. zu erweitern.

    Ein Turbo Studium in 3 Jahren macht in Deutschland keinen Sinn, denn wir haben in unserem Land das System der dualen Berufsausbildung.

    Der Bachelor sollte auf min. 4 Jahre Regelstudienzeit verlängert werden oder man sollten allen Studenten ermöglichen einen Master nach Abschluss des Bachelors zu absolvieren.