piwik no script img

Artikel bei deutscher WikipediaMillionen-Marke erreicht

Außer dem US-Original ist keine andere Ausgabe des Online-Lexikons größer: Die deutsche Wikipedia vermeldete zu Weihnachten einen runden Rekord. Doch ohne Streit ging es nicht.

Sie ist inzwischen eine gigantische Wissenssammlung: Die deutsche Ausgabe der Online-Enzyklopädie Wikipedia konnte pünktlich zum Fest ein Jubiläum vermeldet - den millionsten eingestellten Beitrag. Die Ehre wurde am 27. Dezember einem Artikel über den Botaniker Ernie Wasson zuteil, der auch schon in der US-Ausgabe enthalten war. Damit bestätigt die deutsche Ausgabe des Internet-Lexikons ihre Position als zweitgrößte Wikipedia der Welt nach dem US-Original.

Ganz ohne Streit ging das Nehmen der Millionenmarke, das in der Community mit einem goldenen Icon gefeiert wurde, allerdings nicht ab: In der hiesigen Wikipedia tobt seit Monaten eine so genannte Relevanzdebatte, bei der darum gestritten wird, ob Artikel zu bestimmten Themen aufgenommen werden sollten oder nicht. So genannte Löschkriege brachen unter anderem um den Web 2.0-Begriff "Barcamp" oder die "Zensursula"-Debatte aus, die im letzten Jahr die Netzpolitik in Deutschland bestimmte.

Folgerichtig kam es auch beim Jubiläumsartikel über Ernie Wasson zu Ärger: Der 13-jährige Nutzer "Lukas9950" aus Schönweg stellte einen Löschantrag, wegen angeblich mangelnder Relevanz. In der anschließenden Debatte reagierten einige Wikipedianer allerdings gereizt. "So geht es mit Wikipedia noch weiter bergab. Die deutschsprachige Version von Wikipedia ist mittlerweile unbrauchbar geworden", schrieb einer. Ein anderer meinte, Löschanträge gegen so genannte Meilensteine hätten zwar "schon Tradition", dennoch sei der Antrag "eine Frechheit", weil ihm die Begründung fehle. Er forderte "Sanktionen gegen den Antragsteller". Etwas später sprangen andere Nutzer "Lukas9950" bei: "Lukas nennt eindeutig einen Löschgrund (Relevanz)". Trotzdem blieb es schließlich dabei, Ernie Wasson seinen Eintrag in der deutschen Wikipedia zu lassen - der Löschantrag wurde zurückgewiesen.

Die Relevanzdebatte, die sich längst in den Blogs, auf Twitter und in andere Web 2.0-Angebote fortgesetzt hat, vernebelt indes die wahre Leistung der deutschsprachigen Wikipedianer: Sie schufen innerhalb von zehn Jahren ein riesiges Archiv. Der erste Artikel erschien im Mai 2001. Bleibt es beim aktuellen Wachstum und werden die Löschkriege beendet, sollte in spätestens fünf Jahren Zwei-Millionen-Marke erreicht sein.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

0 Kommentare