Im Animationsfilm "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" von Phil Lord und Chris Millerie regnet es Nahrungsmittel auf eine Insel - für deren Bewohner ein Ausweg aus der Wirtschaftskrise?von BARBARA SCHWEIZERHOF

Auf die Insel Affenfels regnet es Unmengen von Essen. Bild: sony pictures
Das Auge isst mit. Egal wie man zu Junkfood steht, der Anblick einer Flutwelle aus Cheeseburgern löst eher Ekel aus. Genauso ein Spagetti-Tornado, der die Gegend mit Fleischbällchen bombardiert. Eine Schlittenfahrt über eine Landschaft, die mit Pfefferminzeis eingeschneit wurde, oder ein erstes Date in einem Palast, der aus Götterspeise geformt ist - diese Bilder dagegen führen direkt zurück zu Wunschträumen, die man im Alter von acht Jahren gehegt hat.
Die Ambivalenz zwischen kindlicher Glücksfantasie und Horrorfilm gehört durchaus zu den interessanten Seiten von "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen", mit dem Sony den viel beneideten Konkurrenten von Pixar im Segment des animierten 3-D-Films die Stirn bieten will.
Hauptfigur des Films ist Flint Lockwood, der den unsterblichen Jungstraum hegt, ein großer Erfinder zu werden. Bislang haben sich jedoch alle seine Kreationen als Flops erwiesen. Die Schuhe zum Aufsprühen etwa haften noch heute an seinen Füßen, hat er doch vergessen, die Möglichkeit des Ausziehens mit zu erfinden. Der typische Fortschrittsfehler ist ihm unterlaufen: Er hat nicht an die Nachhaltigkeit gedacht. Genau das wird auch zum Manko seiner ersten erfolgreichen Invention, einer Maschine, die Wasser in Nahrung verwandelt.
Wie um jede zu große Nähe zu biblischen Quellen zu vermeiden, spielt der Film auf einer putzigen Atlantikinsel namens Affenfels. Die Wirtschaftskrise hat es tatsächlich bis in diesen abgelegenen fiktionalen Winkel geschafft: Nachdem der Sardinenexport, einziges Handelsprodukt der Insel, eingebrochen ist, fehlt es der Bevölkerung an Alternativen. Der ehrgeizige Bürgermeister will mit einem Erlebnispark den Aufschwung ankurbeln. Mehr durch Unglück als durch Berechnung kommt ihm Flint mit seiner Erfindung in die Quere. Er lässt Cheeseburger vom Himmel regnen.
Der Bürgermeister erkennt das Potenzial sofort: Die Insel wird in "Schlaraffenfels" umgetauft und als Tourismusattraktion vermarktet.
Von nun an geht alles seinen üblichen Katastrophengang: Die Inselbewohner, der Bürgermeister und Flint selbst - sie alle können nicht genug kriegen. Erst als die Pfannkuchen, die es samt Butterflöckchen vom Himmel regnet, so groß werden, dass sie ganze Häuser bedecken, kommen ihnen Bedenken. Dabei zieht Flints Erfindung längst Kreise: Auch der Eiffelturm wird Opfer einer Speck-Sandwich-Attacke.
Der Film bietet wunderbaren Anlass, sich in Nahrungsmetaphern zu ergehen, von Kalorienbomben zu sprechen oder vom gefundenen Fressen, von einer zuckersüßen Geschichte, der durch Moralin ein wenig Säure zugesetzt wird. Aber keine Sorge, eine Botschaft, die über "Gier wird bestraft" hinausgeht, gibt es nicht.
Man kann sich an den originellen Figuren, den spritzigen Dialogen und den optischen Einfällen erfreuen, die voller Verweise auf die Filmgeschichte stecken. Sicher, es regnet eine Menge Nudeln mit Tomatensoße, aber keinen Rosenkohl. Aber wer wollte schon im Kino "Food-Political-Correctness" fordern?
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Leserkommentare
29.01.2010 09:19 | Strube
Eklig ...