Im Streit um Verteuerung und Verzögerung meldet sich die Baufirma Hochtief zu Wort: Der Vorzeige-Konzertsaal wird ein Jahr später fertig.von PETRA SCHELLEN

Baustelle des Anstoßes: Hier soll einmal der große Konzertsaal stehen. Bild: dpa
Die Elbphilharmonie kann nicht, wie geplant, im Mai 2012 eröffnet werden. "Der Konzertsaal wird frühestens Ende 2012 fertig sein", sagte am Donnerstag Thomas Möller, Leiter der Hamburger Hochtief-Niederlassung. Bis dahin waren die von der Baufirma angedeuteten Verzögerungen um rund zwölf Monate als bloße "Hochrechnungen" gehandelt worden. Dass man sich verspäten werde, hatte Hochtief am 12. Januar der Stadt in einem Brief mitgeteilt, den die Kulturbehörde dann rasch öffentlich machte.
Grund für die Bauverzögerungen - wie auch für jüngst bekannt gewordene Nachforderungen in Höhe von 22,4 Millionen Euro - sind laut Hochtief inzwischen 1.000 Änderungswünsche der Architekten. Besonders bei Deckenkonstruktion, Akustik und Entlüftung des großen Konzertsaals kämen immer neue Vorschläge - "Detaillierungen" - in die vorliegende Grobplanung ein. Theoretisch, sagte Möller, "können die Architekten bis zum Tag der Bauabnahme Änderungswünsche einreichen". Er fordert einen Stopp der Änderungen, damit der Bau zügig fertig gestellt werden könne. Nicht zuletzt brauche man endlich einen konstruktiven Dialog mit der Stadt.
Den will die Stadt einer Verlautbarung der Kulturbehörde zufolge bereits angeboten haben. Zu entsprechenden Gesprächen allerdings kam es bisher nicht. Beide Seiten bezichtigen einander, Termine verschleppt zu haben.
Auch bezüglich des Zeitplans sind die Meinungen geteilt: Er gehe weiter von einer Eröffnung im Mai 2012 aus, ließ Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter gestern erneut mitteilen. Neuere, geprüfte Prognosen lägen ihm nicht vor. Auch Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) ging gestern weiterhin von der planmäßigen Eröffnung der Elbphilharmonie im Mai 2012 aus. Und nicht mal die städtische Realisierungsgesellschaft (Rege) betrachtet die prophezeiten Verzögerungen als besorgniserregend: Man halte die Geldforderungen von Hochtief "in weiten Teilen für unbegründet".
Der SPD-Finanzexperte Peter Tschentscher dagegen sieht seine Befürchtungen bezüglich der "weiterhin bestehenden Probleme beim Bau der Elbphilharmonie" bestätigt. Er hoffe, dass der Senat den Nachforderungen von Hochtief "wirksam entgegentreten" könne, so Tschentscher gestern.
Strafzahlungen wegen Bauverzögerung fürchtet der Bauriese derweil nicht. "Schon deshalb nicht", sagte Möller, "weil wir die Verzögerungen nicht zu verantworten haben".
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