Am Dienstag verkündet das Verfassungsgericht sein Urteil über die Vorratsdatenspeicherung. Gegen die Erfassung der Verbindungsdaten hatten Bürgerrechtler und Politiker geklagt.von CHRISTIAN RATH

Mit Spannung erwartet: das Urteil des Verfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung. Bild: dpa
FREIBURG taz | Wird die Vorratsdatenspeicherung abgesegnet, eingeschränkt oder sogar ganz gekippt? Das muss jetzt das Bundesverfassungsgericht entscheiden. An diesem Dienstag verkündet es in Karlsruhe sein mit Spannung erwartetes Urteil. Die mündliche Verhandlung fand bereits im Dezember statt.
Seit Anfang 2008 wird sechs Monate lang gespeichert, wer mit wem wie lange telefoniert hat. Auch die Standortdaten von Mobiltelefonen werden festgehalten. Seit Anfang 2009 wird zudem registriert, wer sich wann ins Internet eingeloggt hat und wer wem gemailt hat. Die Daten werden bei den Telefon- und Internetfirmen gespeichert, die Polizei kann nur im Verdachtsfall darauf zugreifen. Inhalte werden nicht gespeichert.
Gegen das Gesetz wurden drei Verfassungsbeschwerden erhoben. Mehr als 34.000 Bürger hatte der von Bürgerrechtlern getragene AK Vorrat mobilisiert, es war die bisher größte Verfassungsklage Deutschlands. Außerdem klagten noch 43 Abgeordnete der Grünen und 14 FDP-Politiker um Gerhart Baum und Burkhard Hirsch. Die jetzige FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört auch zu den Klägern, war aber im Dezember nicht nach Karlsruhe gekommen - um Rollenkonflikte zu vermeiden.
Burkhard Hirsch warnte bei der Verhandlung vor einem "Dammbruch". Bald könnte auch der Kauf von Flug- und Bahntickets zwangsgespeichert werden, die Mautdaten auf der Autobahn könnten ebenso dauerhaft aufbewahrt werden wie Video-Aufnahmen in Geschäften und auf Straßen. Das Urteil muss also sehr grundsätzlich klären, ob und unter welchen Bedingungen Daten der Bürger anlasslos gespeichert werden können - und ob es genügt, dass die Polizei die Daten später vielleicht mal brauchen könnte.
Die Kläger halten eine anlasslose Speicherung der Telekom-Verbindungsdaten jedenfalls für unverhältnismäßig. Sie schüchtere die Bürger ein und verursache bei den Telefon- und Internetfirmen enorme Kosten. Außerdem könnte die Daten bei den Providern missbraucht und illegal kopiert werden, wie zahlreiche Datenskandale der letzten Zeit gezeigt hätten.
Jörg Ziercke, der Präsident des Bundeskriminalamts warnte dagegen vor einem Urteil gegen die Vorratsspeicherung. Der Polizei fehlten sonst wichtige Ermittlungsansätze. Immer häufiger werde das Internet zum Tatmittel.
Zunächst sah es bei der Verhandlung in Karlsruhe so aus, als zweifelten die Richter schon an der Zulässigkeit der Speicherpflicht. Dann hätte der Fall dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg vorgelegt werden müssen, da die Vorratsdatenspeicherung auf eine EU-Richtlinie zurückgeht. Später zeichnete sich jedoch ab, dass wohl nur die Nutzung der zwangsgespeicherten Daten beschränkt wird. Ein solche Nutzungsbeschränkung hatte Karlsruhe schon per Eilbeschluss im März 2008 verfügt. Seitdem darf die Polizei nur bei erheblichen Straftaten auf die Daten zugreifen.
Eine interessante Entwicklung deutete sich am Wochenende an. Viviane Reding, die neue EU-Kommissarin für Justiz und Grundrechte, will die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung auf den Prüfstand stellen. "Brauchen wir wirklich all diese Daten", fragte sie am Wochenende im Spiegel. Eine Änderung oder gar Aufhebung der Richtlinie müsste allerdings von einer Mehrheit der EU-Staaten beschlossen werden.
Das Amtsgericht Dresden hat erklärt, dass die Abfrage von mehr als einer Millionenen Handydaten während Anti-Nazi-Demos erlaubt war. Zweifel bleiben angebracht. von Paul Wrusch

Ahmed Schafik und Mohammed Mursi haben die erste Wahlrunde beinahe gleichauf gewonnen und rüsten sich für die Stichwahl. Die Muslimbrüderschaft hofiert die ausgeschiedenen Kandidaten.

Im Schwerpunkt Überwachung legen wir ein besonderes Augenmerk auf die neuesten Auswüchse der Sammelwut und Kontrollgelüste von Staatsgewalt wie Konzernen. Und natürlich auf Datenpannen aller Art.
Foto: time. / photocase.com
Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
01.03.2010 17:29 | Sven
Und wo ist jetzt der Neuigkeitswert? Etwa die "interessante Entwicklung", dass Viviane Reding, die übrigens dafür bezahlt w ...