Kommentar AfD-NSDAP-Vergleich

Inhaltlich blödsinnig

Der Zentralrat der Muslime vergleicht die AfD mit der NSDAP. Das ist schief und krumm, geschichtsvergessen und politisch gefährlich.

Frauke Petry zieht eine Grimasse und zeigt mit dem Finger

Das ist nicht Hitler, sondern AfD-Chefin Frauke Petry Foto: reuters

Dummheit ist ein religions- und parteiübergreifendes Phänomen. Dies einmal mehr zu beweisen, trat am Montag der Zentralrat der Muslime in Deutschland an. Ihr Vorsitzender sagte, mit der AfD gebe es „zum ersten Mal seit Hitler-Deutschland eine Partei, die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht“.

Da ist er mal wieder, der beliebte Nazi-Vergleich – schief und krumm, inhaltlich blödsinnig, geschichtsvergessen und politisch gefährlich. Mit kaum etwas anderem lässt sich der politische Gegner so nachhaltig diskreditieren. Und gleichzeitig kann man sich selbst in der Pose des Verfolgten darstellen. Es braucht nicht viel Verstand, um dieses Spiel zu durchschauen.

Wer sich auch nur ein wenig mit der deutschen Vergangenheit beschäftigt hat, der weiß, wie sehr ein solcher Vergleich die jüdischen Opfer herabwürdigt. Sie werden als „Beweis“ für etwas instrumentalisiert, was nicht zu vergleichen ist. Denn der schäbige Subtext lautet: Wenn es mit den Juden damals so zuging wie heute mit den Muslimen, dann kann es ja alles nicht schlimm gewesen sein.

Die Gleichsetzung ist zudem von keinerlei Sachkenntnis getrübt. Denn mit der NPD stand in der Parteiengeschichte der Bundesrepublik schon einmal eine Partei kurz vor dem Einzug in den Bundestag, die weiß Gott „eine Religionsgemeinschaft diskreditiert“. Und wer sich ein wenig mit politischer Psychologie auskennt, der kommt schnell darauf, dass eine solche Behauptung dazu führt, dass sich die in der Tat muslimfeindlichen AfD-Anhänger erst recht verfolgt und damit bestätigt fühlen werden. In diesem Fall haben sie damit sogar recht.

Es taugt nicht als Rechtfertigung, dass auch andere Kleingeister Nazi-Vergleiche von sich gegeben haben, etwa der damalige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der die angebliche Diskriminierung von Katholiken mit der Judenverfolgung gleichsetzte. Oder der Ökonom Hans-Werner Sinn, der sagte, 1929 „hat es die Juden getroffen, heute sind es die Manager“.

Konsequenzen muss der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime indes nicht fürchten: Zumindest in diesem Fall werden Muslime wie Christen in Deutschland gleich behandelt – mit bemerkenswerter Nachsicht. Übrigens, nur so als Anregung: Sinn hat sich damals entschuldigt.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Die letzten Tage des deutschen Judentums", Hentrich & Hentrich 2017

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