Nazi-Runen auf norwegischer Kleidung

Nur ein Pullover?

Die offizielle Kleidung des norwegischen Olympia-Teams zeigt auch nordische Runen. Dummerweise haben sie eine Nazi-Vergangenheit.

Ein Pullover mit Runen an den Ärmeln

Runenbesetzte Oberarme des norwegischen Skiprofis Henrik Kristoffersen Foto: imago/JFK Kaprun

Zwei Motive, etwa zehn mal zehn Zentimeter groß, zieren die Schulterpartie eines Pullovers: jenes Pullovers, den das norwegische Ski-Alpin-Team trägt, das sich derzeit intensiv auf die Olympischen Winterspiele in Süd­korea vorbereitet.

Die aktuell in der norwegischen Öffentlichkeit diskutierten Motive zeigen zwei Runen – so weit, so nordisch. Doch beide Zeichen stehen nicht nur mit der urigen Wikingerkultur in Verbindung, sondern auch mit Nationalsozialismus und Rassenwahn.

Die linke Schulter der Sportler ziert die Man-Rune. Während sie mythologisch für Verbundenheit und Schutz steht, wurde sie von den Nazis als Lebensrune vereinnahmt und als Symbol für die Kraft der völkischen Bewegung interpretiert. Sie findet sich auf zahlreichen Gräbern von SS-Männern. Auch heute noch ist sie ein Emblem der neonazistischen Szene.

Noch auffallender ist der Nazi­bezug bei der Rune auf der – wie könnte es anders sein – rechten Schulter: Die Tyr-Rune, ein nach oben gerichteter Pfeil, war in der NS-Zeit Bestandteil von Leistungsabzeichen. Absolventen der Reichsführerschule der SA erhielten diese ebenso wie besonders eifrige Hitlerjungen. Die Rune steht für Kampf und Krieg, nicht für Sport.

Doch man muss nicht in die Vergangenheit blicken, um die Rune in unguter Verwendung zu finden: Das Nordic Resistance Movement, eine Neonazitruppe aus Norwegen und Schweden, trägt sie auf grün-weißen Fahnen bei Demonstrationen spazieren. In Deutschland war die Tyr-Rune lange Zeit im Logo der Nazi-Modemarke Thor Steinar zu finden – bis ein Gericht das Logo 2004 verbot. Für Steinar-Fans der alten Schule gilt es nun also, Anhänger der norwegischen Skimannschaft zu werden. Nur ganz billig sind die Pullover zum Glück schon mal nicht.

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