Kolumne von DENIZ YÜCEL
So ein Tag, so wunderschön wie heute, der wird nie mehr vergeh’n! Wie sieht er aus, der erste Montag nach der Hammer-Wahnsinns-Zauber-Rausch-4:0-Party gegen Maradona (49)? Ein ganz normaler Alltag-Montag? Ernüchterung, Kater, schlechte Laune? Keine Spur!
Wer durch unsere Zauber-Städte und Zauber-Dörfer fährt, wer mit den Zauber-Menschen draußen in unserem Zauber-Lande spricht und ihnen zuhört, der sieht: Unser Traum von einem schönen, fairen, beschwingten, souveränen, nachhaltigen, elektro-auto-korso-fahrenden, rauch- und heldenfreien, von-Michael-(33)-und-allem-anderen-Ballast-befreiten, Kevin-Prince-Boateng-(23)-endlich-mit-dem-Bundesverdienstkreuz-dankenden, puder-zucker-honig-süßen, fabelhaften Sexy-Chilly-Funky-Punky-Trendy-Super-Duper-Knuddel-Wahnsinns-Märchen-Zauber-Deutschland ist schon jetzt (!), schon heute (!!), schon vor dem Halbfinale (!!!) ein gutes Stück (!!!!) Wirklichkeit (!!!!!).
Dank euch, Zauber-Jungs, haben die Menschen mehr als ein gemeinsames Thema, über das sie reden können. Sie haben ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Traum. Der kapstadteske Teamgeist von Kapstadt – er hat uns alle verzaubert!

Deniz Yücel ist Redakteur im WM-Team der taz. Foto: taz
Niemand vergräbt mehr in der U-Bahn sein Gesicht in der Zeitung. Die Menschen reden, scherzen, diskutieren miteinander. Oder sie lesen die Zeitung zusammen. Vormals einander wildfremde, jetzt zu Zauber-Fans vereinte Menschen zeigen sich, als würden sie in einem Familien-Foto-Album blättern, gegenseitig die tollen Bilder von unseren Zauber-Jungs. Jeder von ihnen hat diese Bilder schon tausendmal gesehen, aber es ist sooooo schön, diesen Zauber-Samstag noch einmal zusammen zu erleben.
In Büros und Fabrikhallen, Ämtern und Redaktionen, Schulen und Universitäten – keiner empfindet die Arbeit mehr als Last, jeder weiß, dass sein Beitrag wichtig ist, jeder hilft dem anderen, egal, ob er Krause, Yilmaz oder Wisniewski heißt. Denn dank euch, Zauber-Jungs, wissen wir: Es geht nur zusammen!
Im Betrieb, im Bus, auf der Straße , im Café, im Supermarkt, im Park, im Mehrfamilien- und im Reihenhaus – ganz Deutschland eine feiernde Fan-Meile, eine diskutierfreudige Groß-WG, ein quirliges Start-up-Unternehmen, ein kuscheliger Kirchentag, eine tanzende Love-Parade, ein fleißiger Bienen-Stock, ein tabuloser Swinger-Club, ein dialogbereiter „Tag der offenen Moschee“, eine Pech-und-Schwefel-mäßig zusammenhaltende Familie, eine konzentrierte Mannschafts-Sitzung, eine Facebook-Seite mit 80 Millionen kommentierwütigen Freunden, jetzt mal ganz im Ernst! Und dazu dieses Wetter! „Das Wetter ist traumhaft“, bestätigt taz-Expertin Ines Pohl (43).
Ganz vorn dabei: unsere Girls! Die lassen nicht nur in ihren sexy schwarz-rot-goldenen Tops ihre Zauber-Bälle für Deutschland hüpfen. taz.de-Recherchen (diese von 8.47 Uhr, Bus M29, Berlin-Kreuzberg) beweisen: Die Girls sind emanzipiert, interessieren sich wirklich für Fußball, diskutieren darüber, welcher unserer Ersatz-Zauber-Jungs den durch fiese FIFA-Sperre fürs Halbfinale (Mittwoch, 20.30 Uhr, Termin unbedingt vormerken!) gesperrten Knüller-Müller (20) am besten ersetzen kann. „Power-Piotr (26)“, sagt die schwarzhaarige Deutschland-Maus, „Top-Toni (20)“, meint die rothaarige, „Marko-Fantasto (21)“, die blonde. Und dann, ja dann rufen die schwarz-rot-blonden Deutschland-Mäuse aus einer Kehle: „Jeder! Jeder! Denn wird sind ein Team!“
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Jetzt zu euch, liebe Holländer. Noch einmal sind wir – ausnahmsweise – für euch. Bitte, bitte putzt diese miesen Schummel-Dusel-Doppelhand-Urus, die unsere Adoptiv-Zauber-Jungs Gyan (24) und Kevin (23), die Ghana, Ganz-Afrika und uns haben weinen lassen, genauso weg, wie ihr die Beton-Brasis weggeputzt habt. Denn so Weltklasse die Uru-Schiris sind, so fiese Afrika-Feinde sind die Uru-Kicker. Und so was hat bei einer weltmeisterlich Weltmeisterschaft (noch dazu: bei der ersten in Afrika!) nichts verloren!
Wenn ihr diesen Job erledigt habt (wir werden unseren auch erledigen, Ehrenwort), gibt’s zur Belohnung Lekker Kaas (Holländisch für „Traum-Finale“). Wahnsinn!
"Ich dachte, die taz hätte etwas Niveau." "Die Jahreszahlen 33 bis 45 muss man Ihnen zwangsweise amputieren". "So ein Beitrag kann ja nur von einem Türken kommen." "Genie und Wahnsinn!" von Deniz Yücel
Die Linkspartei hat jetzt ihre letzte Chance, es Lafontaine nicht gleichzutun und endgültig von der politischen Bühne abzutreten. Die linken Frauen könnten sich positionieren. von Ines Pohl
Für seine Kolumnen-Reihe "Vuvuzela", die er anlässlich der Fußball-WM 2010 auf taz.de schrieb, ist der taz-Autor DENIZ YÜCEL geehrt worden. Am 23. Oktober erhält er den mit 3.000 Euro dotierten Kurt-Tucholsky-Preis 2011. Die Jury betonte: "Dabei übersteigerte er bewusst das nationalistische Element, riskierte lustige Wortspiele sowie einen überdeutlichen Stimmungsumschwung nach der deutschen Niederlage (‚Gurkentruppe‘).! Dabei habe er sich Tucholskys Maxime zu eigen gemacht: Die Satire muss übertreiben. Gratulation!
Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

NRW hat gewählt. Die taz hat sich mal angeschaut, wie kreativ die Parteien waren und was das über die KandidatInnen aussagt.

„Verspätet“ – in Berlin trifft das nicht nur einzelne Flüge, sondern ganze Flughäfen. Und was passiert nun in der Hauptstadt?

Ausgerechnet Bildungsministerin Annette Schavan? Auch sie soll bei ihrer Doktorarbeit mit dem bezeichnenden Titel „Person und Gewissen“ gemogelt und abgekupfert haben. Sehen Sie hier: Einige Vorbilder und Nachahmer ...

Leserkommentare
07.07.2010 22:29 | Das B
FAIL@Herr Wolf
06.07.2010 22:36 | Hans Bert
Sehr geehrter Herr Wolf, ...
06.07.2010 11:33 | Konrad Wolf
genau wegen solcher artikel und solcher autoren müsste man die taz eigentlich vergessen. ...