• 24.09.2010

KURZKRITIK: GESCHICHTE DER FREIEN HANSESTADT

Ein Werk von Gewicht

Kommentar von BENNO SCHIRRMEISTER

Rezensenten sind Arschlöcher, die der merkwürdigen Neigung frönen, Fehler aufzuspüren, sobald sie ein Buch in der Hand haben. Am liebsten: logische Brüche und sachliche Irrtümer. So gesehen bleibt der zweite Band der Geschichte Bremens seit 1945 unbefriedigend.

Die Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von 1945-2005,  erscheint im Temmen-Verlag. Das Werk dient zugleich als Katalog der Ausstellung "So viel Wandel war nie" im Focke-Museum. Neu ist Band 2, die Jahre von 1970-89,  640 S, 48 €

Bereits im vergangenen Jahr erschienen ist der Band 4, in dem Horst Lange die wesentlichen statistischen Daten von 1945 bis 2005 darstellt (462 Seiten, 38 €)

Den Jahren von 1945 bis 1969 widmet sich der erste Band auf 611 Seiten (58€). Den hat das Herausgeberteam um Karl Marten Barfuß bereits 2008 vorgestellt.

Der Schlussband wird voraussichtlich im Jahr 2012 erscheinen.

 

Er ist gestern im Rathaus vorgestellt worden, umfasst die Jahre 1970 bis 1989 und ist nicht fehlerfrei. Aber es sind halt bloß Lappalien, wie die falsche Angabe des Wohnorts eines der ersten Bremer Grünen-Politiker. Pipifax, angesichts eines vier Kilo schweren Meilensteins der Stadt-Historie, der nicht zuletzt plausibel erklären muss: Wieso das Land in jenen 30 Jahren ganz gegen den Bundestrend seinen wirtschaftlichen Niedergang beginnt. Einer der Gründe: Es hatte sich fast ganz von der Rüstungsindustrie abhängig gemacht. Wie im ersten Band haben Karl Marten Barfuß, Hartmut Müller und Daniel Tilgner eine systematische Gliederung gewählt - Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Künste und Städtebau. Und die Herausgeber haben dafür kompetente und zugleich fähige AutorInnen gefunden, also Leute, die das alles auch, gedrängt, distanziert, aber doch anschaulich erzählen. Auch haben sie teils komisches und teils berührendes Bildmaterial in Massen aufgespürt: Die Ankunft vietnamesischer Kinder-Flüchtlinge 1979 auf dem Flughafen etwa. Oder eine längst vergessene Friedens-Demo gegen "Rambo II" (1985) vor einem längst vergessenen Kino. Also echt nichts zu motzen. Wie bitter. 

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