So mancher Kunde meint, im Bereich der Kommunikation könne sich die Deutsche Bahn nur verbessern. Dass das nicht stimmt, beweist das Unternehmen derzeit auf Facebook.von Maik Söhler

Und jetzt: Reklame! Bild: taz screenshot
Die neueste Idee der Deutschen Bahn klingt seltsam, aber zumindest professionell: "Chef-Ticket". Im Online-Netzwerk Facebook bewirbt das Unternehmen seit Montag sein jüngstes Angebot.
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25 Euro soll eine einfache Fahrt in ganz Deutschland in der zweiten Klasse kosten, sofern zwischen dem 25. Oktober und 7. November gebucht und zwischen dem 1. November und dem 15. Dezember gereist wird. Das von der Frankfurter Agentur Ogilvy lancierte Angebot umfasst neben der Facebook-Seite auch einen gut einminütigen Youtube-Film, der das Angebot erklären soll, aber ein wenig bizarr ausfällt
Keine Voraussetzung, aber mit praktischem Nutzen für den Ticket-Kauf vebunden, ist, dass der Reisende ein "Fan" der "Chefticket"-Seite auf Facebook wird. Knapp 8.000 Facebook-Nutzer drückten dafür bisher auf den Button "Gefällt mir". Nicht wenige von ihnen wollen von der Bahn allerdings mehr als nur das "Chef-Ticket", nämlich Kommunikation.
Vor allem aber wollen viele auf dem Umweg über Facebook endlich mal ihren Ärger über die Bahn loswerden - wegen Verspätungen, defekter Technik, Stuttgart 21, eigentlich über alles, was schon immer mal gesagt werden wollte. Und Ogilvy gibt ihnen die Möglichkeit, indem jeder auf der Facebook-Seite alles veröffentlichen kann.
Schnell wurde klar, dass die Agentur mit dem Ansturm nicht gerechnet und ihm nur wenig entgegenzusetzen hat. Moderation bleibt weitgehend aus, mit wenigen, hilflosen und sehr defensiven Kommentaren versucht man den Schaden zu begrenzen. Dabei werden immer wieder von den Nutzern gestellte Fragen übersehen und nicht beantwortet.
Kurz gesagt: Mit dem wenig souveränen Auftritt liefert die Deutsche Bahn nach nur wenigen Stunden all jenen Kritikern neues Material, die schon länger die mangelnde Kommunikation als großes Manko des Unternehmens bezeichnen. Eine klare Strategie zum Umgang mit Social Media scheint zu fehlen, unklar bleibt, ob das an der beauftragten Agentur oder an der Bahn selbst liegt.
Dass es an der Bahn liegen könnte, darauf deutet eine andere Facebook-Seite des Unternehmens hin. Jochen Hencke merkt im Blog des PR Bloggers Klaus Eck dazu süffisant an: "Eine allgemeine Facebook-Seite der Bahn gibt es auch. Aber ob die echt ist, ist stark zu bezweifeln. Obwohl, nach dem heutigen Fehlstart der Deutschen Bahn ist eigentlich alles möglich."
Auch auf jener Seite kann jeder alles veröffentlichen und so hat sich im Lauf der Zeit neben Fragen, Freundlichkeiten, sachlichen Beiträgen auch unendlich viel Kritik angesammelt. Im Unterschied zur Facebook-"Chefticket"-Seite, wo zumindest ein wenig moderiert und mitkommentiert wird, reagiert hier schlicht niemand auf Anregungen, Fragen und Kritik.
Die neue "Chef-Ticket"-Seite zeigt die Schwäche des Unternehmens im Umgang mit Social Media ein weiteres Mal deutlich auf. Und bietet dennoch eine Chance: Dass es so nicht weitergehen kann, sollte die Bahn nun begriffen haben.
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Leserkommentare
25.10.2010 20:42 | Christian J. Papay
Dieser Beitrag ist weder differenziert geschrieben, noch gut recherchiert. ...
24.10.2010 08:02 | ronja r.
Der wenig intelligente Aktionismus, dass man sich einbildet, man müsste jeden unsinnigen Trend nachmachen, wundert micht be ...
23.10.2010 15:24 | gevee
Hm, ...