Geld für alle, ohne Gegenleistung: Das verspricht das Grundeinkommen, mit dem sich der Petitionsausschuss des Bundestages beschäftigt - eine verrückte Idee?von Alem Grabovac

Ihre Meinung steht fest: Grundeinkommen-Befürworterin. Bild: dpa
Am Montag, den 8. November 2010, wird Susanne Wiest mit ihrer Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1500 Euro vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages in einer öffentlichen Sitzung angehört.

Lesen Sie die Antworten von Experten, Prominenten und taz.de-Lesern zum Streit der Woche in der sonntaz vom 30./31. Oktober – erhältlich zusammen mit der taz am Kiosk oder direkt in Ihrem Briefkasten. Wollen Sie mit dabei sein? Dann schicken Sie uns Ihren Kommentar an streit@taz.de. Mehr dazu im Kasten rechts oben.
Foto: tazIst Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Susanne Wiest hat mehr als 50 000 Unterschriften für ihre Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) gewinnen können. Um allen Bürgern ein würdevolles Leben zu gewährleisten, soll jeder Erwachsene monatlich 1500 Euro erhalten. Im Gegenzug würden alle Subventionen und Transferleistungen gestrichen. Das Grundeinkommen soll durch den Wegfall des Arbeitslosengeldes, der Sozialhilfe, des Kindergeldes und der damit einhergehenden Reduzierung der Bürokratie- und Verwaltungskosten finanziert werden. Ähnliche Überlegungen gibt es in allen Parteien, von der Linken bis zur FDP. Die Liberalen nennen es "Bürgergeld", das allerdings gekürzt wird, wenn jemand zumutbare Arbeit ablehnt.
Die Befürworter des BGE argumentieren mit den sozialem Strukturwandel in unserer Gesellschaft. Durch den technologischen Fortschritt wird es in Zukunft immer weniger entlohnte Erwerbsarbeit geben und der demographische Wandel wird in wenigen Jahrzehnten bereits zu einem Kollaps des Rentensystems führen. Das bedingungslose Grundeinkommen ist nun die Voraussetzung dafür, dass die Bevölkerung, unabhängig vom existentiellen Druck des Geldverdienens, mehr Zeit für soziale Tätigkeiten wie Kindererziehung oder die Betreuung alter Menschen aufwenden könnte. Darüber hinaus ermöglicht das BGE jedem Menschen, ein würdevolles Leben in freier Selbstbestimmung zu führen.
Kritiker befürchten, ein bedingungsloses Grundeinkommen werde Bürger zur Untätigkeit verleiten, da der materielle Anreiz zu arbeiten sinke. Ebenso würde durch die Einführung des BGE der Niedriglohnsektor mit unangenehmen Arbeiten zum Erliegen kommen. Niemand würde zum Beispiel den Müll abholen. Nach Ansicht von Gerd Habermann von der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer beruht die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens auf der Idee von einem Staat, in dem alle auf Kosten der Leistungsträger leben könnten. Außerdem würde es zu einem starken Sinken der Arbeitsmotivation kommen und sich eine innovationsfeindliche "Rentntermentalität" ausbreiten.
Was würde also geschehen, wenn jeder von uns plötzlich 1500 Euro in der Tasche hätte? Ginge dann überhaupt noch jemand arbeiten? Würde der Kapitalismus, der ja auf Konkurrenz und Leistung basiert, unter solch einem Modell zusammenbrechen? Oder würden sich die Menschen mit der Auszahlung des BGE freier entfalten und noch mehr sozial engagieren?
Unsere Frage der Woche lautet: Macht das Grundeinkommen faul?
Die „Pille danach“ ohne Rezept? „Ja“, sagt die Vorsitzende von pro familia. Gegner argumentieren: Ärztliche Beratung muss sein. von Elisa Heidenreich

Der heißeste Ort der Welt, ein Tiger macht Kopfstand und Bäume in Käfigen. Unsere Bilder der Woche.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.


Leserkommentare
01.11.2010 14:17 | Harald
Bei der Frage der Finanzierbarkeit finde ich den Gedanken von ,slow' sehr bedeutsam: nämlich die Höhe des BGE, bzw. Geld üb ...
31.10.2010 19:57 | M.M.
Ich lehne das Bandbreitenmodell ab, weil es die Rationalisierung der Wertschöpfungsprozesse hemmt. Das Bandbreitenmodell wä ...
31.10.2010 11:14 | Martin
Ich finde es gut, endlich mal in einer tageszeitung etwas ausführlicher über das bGE zu lesen. ...