Zugreisen in Indonesien: Mit Betonkugeln gegen Schwarzfahrer
Mitfahren auf dem Zugdach ist in Indonesien nicht ungewöhnlich. Die Bahngesellschaft will das jetzt unterbinden – mit harten Methoden. Menschenrechtler reagieren entsetzt.
JAKARTA afp | Die indonesische Eisenbahngesellschaft will illegale Mitfahrer künftig mit schwingenden Betonkugeln von den Zügen reißen. Zwei Kilogramm schwere Kugeln mit 15 Zentimeter Durchmesser werden dazu seit Dienstag an Querstreben über den Bahngleisen montiert, wie die Gesellschaft PT Kereta Api mitteilte.
In Indonesien ist das illegale Mitfahren auf Zugdächern eine weit verbreitete Praxis. Die Bahn-Gesellschaft hatte in der Vergangenheit beispielsweise Wachhunde, rote Farbspritzer und Prediger in Moscheen dagegen eingesetzt.
Bislang komme "täglich mindestens ein Mitfahrer" zu Tode, weil er von einem Zugdach falle oder einen Stromschlag erhalte, sagte der Bahnsprecher Mateta Rizalulhaq. Wenn die Betonkugeln aufgehängt seien, werde es den Fahrgästen nicht mehr möglich sein, auf den Dächern zu sitzen.
Menschenrechtsgruppen warnten, der Einsatz der Betonkugeln könne seinerseits tödlich enden. In den Zügen gebe es nicht genügend Plätze, auch seien die Tickets nicht für alle erschwinglich, hieß es weiter.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert