Kolumne zur Leipziger Buchmesse 2012: Petra oder kein Happy End
Erbauungsliteratur von der Paarkritikerin Christiane Rösinger, ein Aufruf zur Bürgerbeteiligung von Profitgier-Kritiker Heiner Geißler und die Frage, wer Feuer auf eine DVD brennt.
D ie Pärchenlüge ist überall – und Christiane Rösinger hat es sich dankbarer Weise zur Aufgabe gemacht, damit aufzuräumen. Die Berliner Musikerin und selbsternannte Paarkritikerin hat sich durch zahllose Beziehungsratgeber gearbeitet, um dann selbst ein Sachbuch zu verfassen, in dem sie aufdeckt, wie allerorten das Paar als die Norm deklariert und Singles suggeriert wird, sie seien unvollständig und bemitleidenswert.
Rösinger hat eine Mission und nur zu gut kann ihr großes Publikum am taz-Stand nachvollziehen, wie sich ein Single durch das Jahr, angefangen mit Silvester, wenn man eben nicht mit anderen Pärchen Fondue essen möchte, über WM oder EM und den berühmten Trennungsherbst hangelt und hofft, dass sich alle lästigen Paare doch endlich trennen mögen. Denn die meisten tun das nur aus Angst vor der Einsamkeit nicht, meint sie. Sie hingegen empfindet nun, „wenn man nicht mehr vierzig ist“, etwas wie „aufbauende Einsamkeit - das kommt mit dem Alter“.
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Und so wird sie immer weiser und kommt zur Erkenntnis der Analogie zwischen dem Münsteraner Trauerschwan Petra, dem weißen Plastiktretboot, einer verliebten Frau und einem Mann in dem sie etwas sieht, was kein anderer nachvollziehen kann. Aber diese Geschichte sollte man unbedingt in Rösingers Buch „Liebe wird oft überbewertet“ nachlesen. Aber soviel ist klar: Es gibt kein Happy End - das ist nur ein Teil der Verschwörung. Es sei denn, „man ist es sich selbst“.
Welt der Surrogate
Der Schwan Petra ist mit seiner Liebe zum kalten, harten Tretboot ebenso einem Plastiksurrogat eines lebendigen, männlichen Schwans aufgesessen, wie in zahlreichen Hotelketten mit einem DVD-Feuer ein wärmendes vorgegeben werden soll. Doch wozu nur? Das sei wie Rauchen ohne zu inhalieren und Bier ohne Alkohol, meint Rayk Wieland. Dessen Romanheld aus „Kein Feuer, das nicht brennt“ ist Reisereporter, ohne jemals zu reisen.
Völlig überrannt wird der taz-Stand gegen 15 Uhr, als Heiner Geißler gekommen ist, um mit seinem Buch „Sapere aude! - Warum wir eine neue Aufklärung brauchen“ gegen Profitgier und für aktive Bürgerbeteiligung zu polemisieren.
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Anhand von Stuttgart zeigt er auf, wie sich so die repräsentative Demokratie ergänzen ließe - das ist leider schon etwas angestaubt, eine weitere Ebene hätte den Talk noch inspirierender gemacht.
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