Die Aktivistin und ehemalige Wikileaks-Sprecherin Birgitta Jónsdóttir arbeitet an der Gründung einer Piratenpartei in Island. Bald will sie ins Parlament einziehen.von Reinhard Wolff

Gründet die Piratenpartei in Island: Birgitta Jónsdóttir. Bild: CC-BY-SA flickr/G20NWD
„Für Leute, die krank von der traditionellen Parteipolitik sind“, ist sie laut Birgitta Jónsdóttir gedacht: die „Píratapartýiš“, Islands Piratenpartei, an deren formaler Gründung sie derzeit mit Gleichgesinnten arbeitet. Eine erste Programmerklärung ist fertig, und nach den Wahlen im April 2013 hofft man im isländischen Parlament vertreten zu sein.
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Dort ist Birgitta schon jetzt Abgeordnete für „Hreyfingin“, die „Bewegung“, die aus den Protesten gegen die Verantwortlichen des isländischen Finanzcrashs entstanden ist. Nachdem sich eine Einigung der sich derzeit immer mehr zersplitternden Gruppen aus dieser Graswurzelbewegung als unmöglich erwies, wurde eine Piratenpartei nach europäischem Vorbild die Alternative. „Vielleicht können wir uns ja auf eine gemeinsame Wahlplattform einigen“, verabschiedete sich die 45-Jährige jetzt in einem Brief an die „Hreyfingin“-Mitglieder.
„Birgitta ist alles andere als eine traditionelle Politikerin“ schreibt sie selbst auf ihrer Webseite. Politik sei für sie eine Frage der Intuition, nicht einer rechten oder linken Ideologie. Aus dieser Intuition entsprang dann etwa der Einsatz der Mutter von drei Kindern für das mittlerweile geltende Verbot von Stripteaseclubs in Island, ihre Skepsis gegen eine EU-Mitgliedschaft des Landes oder ihr Engagement im „International Network of Parliamentarians on Tibet“.
Birgitta hat als 22-Jährige ihren ersten Gedichtband veröffentlich. Später organisierte sie „Kunst gegen den Krieg“ – ein Protest zahlreicher Kulturschaffender gegen den Irakkrieg – und stritt gegen die Zerstörung der islandischen Natur durch den Megastaudamm Kárahnjñkar. International bekannt wurde die Schriftstellerin vorwiegend aufgrund ihrer Aktivitäten für die Informationsfreiheit, als treibende Kraft hinter Immi, der „Icelandic Modern Media Initiative“, die Island zu einem internationalen Freihafen für Informations- und Meinungsfreiheit machen will, und als zeitweise Wikileaks-Sprecherin.
Mit Julian Assange hat sie sich überworfen, seit der sich gegen ihr Drängen weigerte, sich den Vergewaltigungsanklagen in Schweden zu stellen. Derzeit engagiert sie sich vor allem für Bradley Manning. Ihn hat die Abgeordnete für den diesjährigen Friedensnobelpreis vorgeschlagen. „Wenn sich ein Faden durch Birgittas Leben zieht“, sagt sie, „dann der, dass jeder die Möglichkeit hat, die Welt zu verändern.“
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