piwik no script img

Kommentar EinbruchsserieViele offene Fragen

Kommentar von

Benno Schirrmeister

Wenn die Polizei ihrer Pflicht in Gröpelingen nachkommt, tut sie es doch so unauffällig dass es den besorgten AnwohnerInnen ganz entgeht.

W enn sie von Einbrüchen erfährt, wird die Bremer Polizei aktiv, versichert also ihr Sprecher. Das ist insofern bemerkenswert, als dass es selbstverständlich sein müsste. Schließlich ist das ihre Pflicht.

Denn, wenn es so weit ist, dass platte Selbstverständlichkeiten eigens betont und wortreich ausformuliert werden müssen – dann ist das zwar kein schlagender Beweis, aber doch ein sehr starkes Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt.

Mindestens nämlich lässt sich festhalten, dass die Polizei ihre Arbeit in der Rostocker Straße in Gröpelingen so unauffällig und so diskret tut, dass es den besorgten AnwohnerInnen ganz entgangen ist: Sollten sie die Einbrüche tatsächlich gar nicht gemeldet haben? Oder wären ihre Kontaktaufnahmen nach den Vorfällen den Diensthabenden lediglich nicht deutlich und dringlich genug erschienen?

Welche Rolle spielt bei dieser ganz offensichtlich gescheiterten Kommunikation, dass in den fraglichen Blocks vor allem Türken und Araber leben? Wirklich gar keine?

Es gibt mehr Klärungsbedarf, als Klarheit in diesem Fall. Gewiss ist allerdings, dass in den Wohnungen Kinder leben, die Angst haben: Weil sich nachts, so nehmen sie es wahr, Monster auf dem Balkon herumtreiben. Aber gegen Monster kann die Bremer Polizei natürlich nichts ausrichten.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Benno Schirrmeister Reporter und Redakteur

Jahrgang 1972. Seit 2002 bei taz.nord in Bremen als Fachkraft für Agrar, Oper und Abseitiges tätig. Alexander-Rhomberg-Preis 2002.
Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • M
    Manni

    Ein Nachsatz noch:

     

    Es ist eigentlich ziemlich peinlich, oder eben bezeichnend, dass hier niemad die juristischen Tatsachen klärt:

    Wenn ein Hausbesitzer ein Haus einrüstet - zumal für ein halbes Jahr, dann ist der Hausbesitzer für die Sicherheit der Bewohner zuständig, nicht die Polizei.

    Denn die ist auch nicht zuständig, wenn der Hausbesitzer keine Schlösser in die Türen baut.

     

    Der Hausbesitzer hat also einen privaten!!! Wachdienst zu beauftragen und zu bezahlen. Macht er das nicht, müssen die Mieter eben die Miete kürzen, zur Not bis auf Null.

     

    Kleiner Tipp: Es soll ja Mieterorganisationen geben, die derartige Probleme sehr schnell in den Griff bekommen.

     

    Und wenn ich dann in einer anderen Zeitung lese, dass es da "Gepräche" mit Leuten gab, die die Bewohner für Einbrecher hielten, nach denen diese ins Krankenhaus mussten, dann frage ich mich doch, ob da nicht die eigentliche Aussage des Artikels ein gutieren von Lynchjustiz ist:

    Wenn die Polizei nicht kommt, weil es faktisch nicht ihre Aufgabe ist, ist der Baseballschläger die Lösung der Wahl?

  • M
    Manni

    Ihr macht es Euch zu einfach.

     

    Die schwarze Gang traut sich hier kaum mal zu Fuß her, es gibt fast nur Streifenfahrten im Auto. Wenn es Probleme gibt, sind mindestens 3 Streifenwagen vor Ort als Selbstschutz, in jedem sitzt mindestens eine/r mit Sonderausbildung GSG o.ä..

    Und natürlich sind die Leute weder Sprachgenies, noch sind sie viele genug, dass sie vor jedes Haus mit Gerüst eine Wanne stellen könnten.

     

    Es sind aber nicht wirklich nur die Beamten, die hier ein Problem haben. So versucht ein Grünes Genossenschaftsprojekt seit Jahren, genügend Leute aus dem Grünen Umfeld zusammen zu bekommen, die bereit wären, hier zu bauen und ein gemeinsames Wohnprojekt auf die Beine zustellen.

     

    Nach einem Blick auf den Schulhof einer lokalen Schule hat sich das Thema dann meist erledigt.

     

    Was so schön als Multi-Kulti bezeichnet wird, ist eben doch für die Rot-Grünen Döner-Essen vom Mittelmeer träumen, und ansonsten was für die Anderen.

     

    Aber so integriert sind diese Polit-Träumer eben doch wieder nicht, dass sie in einer Umgebung leben wollen, in der alle paar Wochen jemand abgestochen wird.

    Stattdessen wird dann in der Weser-Prawda verbreitet, dass die Polizeireviere doch gar nicht so stark zusammengestrichen wurden, und irgendwelche Jubel-Statistiken vorgelegt.

    Die Schwachhausener glauben das bestimmt, und freuen sich, dass sie vollen Zugriff auf staatliche Gewalt für ihre Zwecke haben.

  • T
    tim

    Der alltägliche Rassismus im deutschen Beamtentum lässt grüßen. Der Autor stellt die richtigen Fragen. Danke dafür.