Kommentar Israel und Hamas: Politik der Eskalation
Die Hamas scheint die Macht der israelischen Armee vergessen zu haben. Die israelische Regierung will sich kurz vor den Wahlen nicht vorführen lassen.
D ie extremistische Palästinenserorganisation Hamas pokert hoch: Sie will Israel mit einem massiven Raketenhagel dazu zwingen, die wirtschaftliche Blockade des Gazastreifens aufzuheben. Der Einsatz in diesem Machtkampf sind die 1,5 Millionen Palästinenser, die im Gazastreifen festsitzen. Über sie pflegt die Hamas zu sagen, sie seien es ohnehin gewohnt zu leiden. Und wenn es ganz schlimm kommt, so ihr Kalkül, wird die Weltgemeinschaft schon einschreiten.
Die Islamisten gehen gleichzeitig davon aus, dass die israelische Regierung dem Druck der eigenen Bevölkerung nicht standhalten kann. Der ständige Raketenalarm zermürbt die Anwohner und versetzt ihre Kinder in Panik. Außerdem hat die Extremistenorganisation noch immer den israelischen Soldaten Gilad Schalit in ihrer Gewalt. Er gilt als Lebensversicherung für die Führung der Hamas.
Doch die Hamas könnte das Machtspiel verlieren. Die israelische Regierung will sich kurz vor den Wahlen nicht vorführen lassen, im Gegenteil. Außenministerin Zipi Livni, die neue Ministerpräsidentin werden möchte, hat bereits angekündigt, sie strebe den Sturz der Hamas an.
Israel zögert noch. Eine Eskalation bedeutet fast immer Tote. Hässliche Bilder werden um die Welt gehen. Niemand weiß, ob sich die libanesische Miliz Hisbollah einmischen wird, wie neueste Raketenfunde mit Zeitzünder suggerieren. Das Ultimatum ist eine letzte Chance für Verhandlungen. Anschließend werden von Kairo bis Berlin alle für Israel wichtigen Regierungen Verständnis aufbringen, dass die Armee losschlägt und nicht länger tatenlos den Raketenangriffen aus dem Gazastreifen zusieht.
Die Militäroperation, auch wenn sie begrenzt ist, kann der Hamas großen Schaden zufügen. Die Armee wird gezielt die Infrastruktur der Organisation ins Visier nehmen. Es hat schon lange keine umfassenden Angriffe mehr auf den Gazastreifen gegeben. Die Hamas scheint vergessen zu haben, wie gewaltig ein solcher Schlag sein kann.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert