Nach Anschlägen: Neuköllner Protest gegen Naziattacken
Nach Anschlägen auf zahlreiche linke Einrichtungen mobilisieren rund 1.000 Demonstranten zur Kiezdemo.
Der Ärger über rechte Gewalt fiel deutlich aus: Statt der erwarteten 300 Teilnehmer trafen sich am Sonntagabend mehr als dreimal so viele Menschen in Neukölln, um friedlich gegen rechtsradikale Umtriebe in ihren Kiezen zu demonstrieren. In den Wochen zuvor hatten Unbekannte in Neukölln und Kreuzberg mehrere Einrichtungen der linken Szene mit rechten Parolen beschmiert und Fenster eingeworfen (taz berichtete).
Die Organisatoren zeigten sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf den vergleichsweise spontan initiierten Protestmarsch. "Wir hatten nur fünf Tage Zeit. Dass wir trotzdem 1.000 Leute mobilisieren konnten, macht deutlich, dass Neukölln aufgewacht ist", sagte einer der Demoorganisatoren und unterstrich: "Bislang hat man sich in Neukölln ja immer noch recht sicher vor den Rechten gefühlt." Neben der Antifa hatten sich vor allem Mitarbeiter der von der Anschlagserie betroffenen Einrichtungen um die Vorbereitungen auf den Protestmarsch gekümmert.
Vom Hermannplatz ausgehend verlief die Demo einmal quer durch Nordneukölln. Trotz Temperaturen im zweistelligen Minusbereich wurden mehrere Stopps gemacht, um den Teilnehmern über Lautsprecher Hintergründiges zu vermitteln. So erinnerte ein Redner beispielsweise an verschiedene rechtsradikale Gewalttaten, die sich in den vergangenen Jahren in Neukölln ereignet hatten. Im selben Atemzug wurden mutmaßlich rechtsradikale Neuköllner an den Pranger gestellt. Ein Sprecher nannte mehrere Personen namentlich und die Straßen, in denen diese wohnen würden. Begleitet von Sprechchören wie "Für die Freiheit, für das Leben. Nazis von der Straße fegen" marschierte der Protestzug danach weiter.
Viele Anwohner beobachteten die Demonstration aus ihren Wohnungen heraus und ließen sich, soweit zu erkennen war, auch von krachenden Böllern, die Demonstranten immer mal wieder zündeten, nicht weiter erschrecken.
Die Polizei hatte die Mobilisierung der linken Szene diesmal offenbar unterschätzt. Die anfängliche Besetzung fiel mit rund 40 Beamten vergleichsweiße gering aus, reichte jedoch, um den Protestzug abzusichern. Eine Verstärkung traf erst ein, als sich die Demo eineinhalb Stunden nach Beginn bereits wieder auflöste. BERND SKISCHALLY
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