Kommentar Privatisierung von Stadt: Die Stadt muss weiter allen gehören
Die Demonstration des Bündnisses "Leerstand zu Wohnraum" hat einmal mehr gezeigt, dass Hamburg im Zuge der Aufwertung öffentlichen Raum - und damit die Verantwortung - in private Hände gibt.
S traßen und Plätze sind öffentliche Orte. Diesem Irrglauben kann man leicht aufsitzen. Aber die Demonstration des Bündnisses "Leerstand zu Wohnraum" hat einmal mehr gezeigt, dass Hamburg im Zuge der Aufwertung öffentlichen Raum - und damit die Verantwortung - in private Hände gibt.
Als die Organisatoren ihre Abschlusskundgebung auf dem Gebrüder-Wolf-Platz anmelden wollten, erfuhren sie, der Platz sei "nicht der Öffentlichkeit gewidmet". Teile des Platzes sind nämlich im Besitz der Bavaria Office GmbH, die zur HSH Nordbank gehört, und der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille. Beide Eigentümer lehnten die Kundgebung ab und die Polizei setzte diesen Wunsch brav um.
Abgesehen davon, dass Demonstrationsrecht vor Hausrecht geht: Es kann nicht sein, dass der Zugang zu öffentlichen Plätzen in der Stadt behindert wird. Diese schleichende Privatisierung der Stadt ist nicht hinnehmbar. Hamburg muss, wie es die Demonstranten gefordert haben, offen und frei sein.
Aber wo man hinblickt, schenkt Hamburg Raum her und schafft so Orte, an denen Hausherren ihre Vorstellungen von Stadt durchsetzen können. Der Gebrüder-Wolf-Platz ist da keine Ausnahme. Weitere Beispiele wären der Spielbudenplatz oder das Überseequartier in der Hafencity, wo der gesamte Freiraum an private Investoren verkauft wurde.
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