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Kolumne WortklaubereiDer größte anzunehmende Uck

Kolumne
von Josef Winkler

Gauck brachte die Herzen der FDP zum Schmelzen, bald labert er uns allen ins Gewissen. Ehrensold jetzt! Denn: Es kann nur besser werden.

W as ist denn los? Schon fast eine Woche keine neuen Wulff-Enthüllungen? Ach so, ja, richtig. Interessiert ja jetzt keinen mehr. Außer das mit den 200.000 Euro natürlich.

Jetzt können wir Steuerzahler bald alle mittun und selber erleben, wovon wir die ganze Zeit so viel gelesen haben: wie sich das anfühlt, wenn man den fabelhaften Wulffs ihren geili-geili Lebensstil finanziert. Weil: "Man sollte da jetzt nicht zu kleinkariert sein", wie so ein vernünftig glotzender Politikexperten-Typ am Wochenende in eine Fernsehkamera sagte, worauf man sich ebenso vernünftigerweise zum Beispiel fragen konnte: Was labert jetzt DER Durchgeknallte schon wieder für einen Mist daher? Hört das nie auf?

Jetzt ist mir persönlich ja schon nicht wirklich klar, ob und wie das ein "politischer Rücktrittsgrund" ist, wenn man Menno!-mäßig wie ein eingeschnappter Schulbubi die Biege macht. Aber irgendwie hat sich bei Horst Köhler ja keiner nachzufragen getraut, wie er seinen Rücktritt denn nun eigentlich genau gemeint hat - und dann war er halt wohl politisch. Nun denn.

Josef Winkler

(39) lebt und arbeitet, was sein Nervenkostüm und Zeitbudget nicht unerheblich in Anspruch nimmt, in München und Palling. Hobbies: Zeichnen, Tiere, Musik, Nichtschwimmen.

Aber wenn der Staatsanwalt wegen Korruption im Amt gegen einen ermittelt? Klar, das ist auch irgendwie politisch. Aber ich fänds doch angebracht, da jetzt mal kleinkariert zu sein. Soll doch der Maschmeyer den "Ehrensold" (den ja sogar die "Tagesschau" in Anführungen schreibt) zahlen. Und jetzt also die zweite Wahl von vor zwei Jahren. Wo war eigentlich die taz-Schlagzeile am Montag: "Bellevue wird Gauck-Behörde"?

Aber es ging ja auch so schnell, das hat ja keiner ahnen können. Wo- bei …? "Gauck hat sich in die Herzen der Deutschen geredet", salbaderte die Welt Online, und ja, das wird tatsächlich ein paar Millionen deutsche Herzen gewärmt haben, dass Joachim Gauck, der Gerechte, der Bezwinger der DDR und Freiheitsfürst, den Sarrazin und sein menschenverachtendes und gesellschaftszerrüttendes, nebenbei schwer lukratives Schweinegewäsch auch so "mutig" findet wie sie selbst. Man wirds doch wohl noch sagen dürfen - jetzt bald auch in Bellevue!

Noch effektiver aber hat sich Gauck in die Herzen der FDP hineingeredet. Wenn einer noch ekliger, verächtlicher und selbstgerechter über "unsagbar alberne" Kapitalismuskritiker daherbelfern kann als noch der räudigste neoliberale FDP-Wadlbeißer, und das dann auch noch mit der graumeliert-knieerweichenden Premium-Aura eines original Weisen, eines peliepten Retners und Chöngeistes - das imponiert der blassgelben Seele. What a guy!

Dass ausgerechnet die FDP jetzt seine Nominierung nutzt, um sich innerhalb der Koalition in einem verzweifelten letzten Aufbäumen die hinten und vorne schlappe Hose dick zu machen, ist so abstoßend, das wäre ja wohl ein 1a politischer Grund für Joachim Gauck, gleich nach seiner Wahl wieder zurückzutreten. Jedenfalls: Wenn an ihm endlich diese widerliche Regierung zerbräche, das könnte tatsächlich einen Ehrensold oder zwei wert sein. Und dann Neuwahlen auf der ganzen Linie und die Chance auf frisches Personal, das einem zumindest nicht JEDE einzelne Minute des Tages Brechreiz verursacht. Nein? Was? Aber ach.

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3 Kommentare

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  • H
    herbert

    Erfrischend und köstlich -danke.

    PS: Der Prediger kommt mir nicht ins Haus.

  • S
    sven

    *daumen hoch*

     

    Schon weil fast alle Parteien so erfreut über die "Nominierung" des Priesters sind, kommt einem die Sache doch spanisch vor...

     

    ...dann lieber so wie Schramm sagt: abschaffen das Amt/das Schloss/den ""Ehren""sold.

     

    Gelabert wird in Berlin ja nun wirklich schon mehr als genug.

     

    *grüß Jott* wennd'n triffst!

  • T
    tommy

    Das Geheule der taz über Gauck wird langsam albern - und wird auch nichts bewirken, solange der einzige Vorwurf im Grunde derjenige ist, dass Gauck es gewagt hat, in Äußerungen vom linksgrünen Medienkonsens abzuweichen. Sollte etwas Substanzielleres (Korruptionsverdacht wie bei Wulff, dunkle Stellen in Gaucks DDR-Vergangenheit oder Unregelmäßigkeiten in der Gauck-Behörde) herauskommen, sähe das anders aus; aber der für solche Nachforschungen nötige investigative Journalismus dürfte die Fähigkeiten der taz wohl überfordern.