piwik no script img

Anschlag in MogadischuRadiomoderator erschossen

Ein Komödiant, der Islamisten kritisiert, wird vor seinem Radiosender erschossen. Kurz bevor eine neue Übergangsverfassung verabschiedet wird.

MOGADISCHU afp/taz | In Somalia ist ein bekannter Komödiant getötet worden. Unbekannte erschossen Abdi Jeylani Malaq Marshale am späten Dienstag, kurz nachdem er seinen Arbeitsplatz beim Radiosender Kulmiye in der Hauptstadt Mogadischu verlassen hatte. Sein Radiokollege Yusuf Keynan sprach von einem „schwarzen Tag“.

Marshale hatte in seinen Radioshows gerne Witze über die islamistischen Shabaab-Milizen Somalias gemacht. Er hatte sich an Jugendinitiativen beteiligt und war auch im in London basierten somalischen Exilsender Universal TV aktiv. „Zwei Männer schossen auf Marshale und verletzten ihn schwer; später wurde er für tot erklärt“, sagte ein Polizist. Die Schüsse trafen ihn an der Schulter und im Kopf.

Somalia, das seit zwanzig Jahren keine Zentralregierung mehr hat, gilt als eines der gefährlichsten Länder für Medien weltweit. Durchschnittlich einmal im Monat wird ein Journalist getötet.

Abdi Jeylani Malaq Marshale

Der 43-jährige Radiomoderator wurde in Mogadischu, Somalia, erschossen.

Schnell ändern dürfte sich an diesen Zuständen wenig: Der neue Mord erfolgte, kurz bevor eine Verfassungsgebende Versammlung in Mogadischu am Mittwoch eine neue Übergangsverfassung beschloss, die eine neue politische Ordnung nach Ablauf des Mandats der amtierenden Übergangsregierung am 20. August ermöglichen soll. Doch wird dies in der Praxis noch nichts ändern.

Erst soll eine Versammlung traditioneller Führer ein neues Übergangsparlament bestimmen, das einen Übergangspräsidenten wählt, der einen Übergangspremier bestimmt, der eine neue Übergangsregierung bildet. Die kann dann vier Jahre lang amtieren. In dieser Zeit kann die neue Übergangsverfassung noch geändert werden, bevor sie dem Volk vorgelegt wird – sofern Somalia in dieser Zeit friedlich wird.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare