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Anvisierte Ölbohrungen vor UsedomGeplante Ölförderung in der Ostsee stößt auf Widerstand

Der kanadische Konzern Central European Petroleum will vor Usedom nach Öl bohren. Ein deutsch-polnisches Aktionsbündnis tritt an, das zu verhin­dern.

Ölindustrie in Sichtweite der deutschen Küste gibt es bislang nur in der Nordsee: Einziger Standort ist die Bohr- und Förderplattform Mittelplate A des britischen Konzerns Harbour Energy vor Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die jahrzehntealte Anlage im Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, nie auf Naturverträglichkeit geprüft, seit Langem als ökologisch riskant. Jetzt gibt es Pläne für eine Förderung in der Ostsee, im deutsch-polnischen Seegrenzgebiet wenige Kilometer vor Usedom und Wolin, in Sichtweite von Heringsdorf und Swinemünde.

Der kanadische Konzern Central European Petroleum (CEP) will hier bis in die 2060er-Jahre rund 21 Millionen Tonnen Erdöl fördern, aus über 2.600 Metern Tiefe. Geplant ist der Bau einer riesigen künstlichen Insel im Meer, plus einem Hafen, insgesamt 18 Hektar groß. Käme es so, liefe das den deutschen, polnischen und europäischen Klimazielen massiv zuwider.

Gegen die CEP-Pläne für dieses System aus Förderung, Aufbereitung, Lagerung und Transport hat sich ein breites Aktionsbündnis gebildet. Die DUH ist dabei, der WWF Deutschland, der BUND Mecklenburg-Vorpommern, die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern, die Gemeinde Heringsdorf und die polnische Organisation EKO-UNIA.

„CEP scheint es sehr eilig zu haben“, sagt Sascha Müller-Kraenner der taz, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Natürlich haben wir im Rahmen der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung Stellung genommen“. Die Folgen bei einem möglichen Ölaustritt bezeichnet er als „verheerend“.

Wirtschaft hat Vorrang vor Natur

Die Stellungnahme „Erschließung der Lagerstätte Wolin East“ der DUH ist 30 Seiten stark. Sie liest sich alarmierend, vom Erdbebenrisiko bis zur Unterwasserschallemission. Es heißt in ihr: „Eine Ölförderung inmitten der Pommerschen Bucht verschlechtert den Zustand der Ostsee im Sinne der Eingriffe in Umwelt, Natur und Klima.“

Teile des CEP-Lizenzgebiets berühren und überschneiden polnische Flächen des EU-Schutzgebietsnetzes Natura 2000, sagt Rainer Sauerwein der taz, Vorsitzender der Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern. „Und für was? Verglichen mit dem polnischen Energiebedarf sind die potenziellen Fördermengen winzig.“ Umweltschutz habe in Mecklenburg-Vorpommern keinen hohen Stellenwert, beklagt Sauerwein. Auf polnischer Seite erst recht nicht. „Die Wirtschaft hat stets Vorrang. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf!“ Sauerwein sieht nicht zuletzt den naturnahen Tourismus gefährdet.

Auch der geschützte Naturraum „Pommersche Bucht mit Oderbank“ liegt nur 17 km von der geplanten Plattform entfernt. Das Problem: Im Meer sind Grenzen fluide. Schall wandert, Schadstoffe wandern, Tiere wandern. Ein Schutzgebiet kann also auch beeinträchtigt werden, wenn die Störquelle außerhalb liegt.

Ölförderung unnötig

Das sieht auch Radoslaw Gawlik so, Präsident von The Ecological Association EKO-UNIA. Die Ölförderung sei nicht nur potenziell schädlich, sie sei unnötig: „Polen plant und baut Offshore-Windkapazitäten mit einer Leistung von 12 bis 16 Gigawatt. Es lohnt sich angesichts der enormen Menge sauberen Stroms, die wir aus der Ostsee gewinnen können, nicht, in Gas und Öl zu investieren.“

Flankierend entfaltet eine Eingabe an den Petitionsausschuss der EU Wirkung, Öl- und Gasförderung in der Ostsee grundsätzlich zu untersagen, mitinitiiert durch das finnische NGO-Netzwerk Coalition Cleen Baltic. Fast 90.000 Unterschriften kamen zusammen. Erst vor wenigen Tagen habe CEP eine neue mobile Bohrplattform in die Pommersche Bucht platziert, kritisiert die DUH. Die deutschen Behörden und Kommunen seien nicht verständigt worden.

Was vor Usedom und Wolin geschieht, ist komplex. Was ist beispielsweise, wenn eine CEP-Bohrung zwar auf polnischer Seite erfolgt, aber auf eine Lagerstätte trifft, die auch deutsches Gebiet umfasst? Wie ist die Auswirkung auf Laichhabitate, Sedimente, Strömungen und Wellen? Wie wird die ohnehin stark bedrohte Schweinswalpopulation reagieren?

Die DUH nimmt die CEP stark in die Erklärungspflicht. Eines der Wörter, die sie in „Erschließung der Lagerstätte Wolin East“ am einprägsamten verwendet, ist: „unzureichend“.

Am 2. November findet eine Informationsveranstaltung in der Aula der Europäischen Gesamtschule in Ahlbeck auf Usedom statt, auf Einladung der Kommune Heringsdorf. Mit Projektvorstellung, wissenschaftlicher Einordnung, Einwohnerfragen und einer offenen Abschlussdiskussion.

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