Betreten verboten: Für alle Besucher des 135-Seelen-Dorfes Saaße in Niedersachsen gilt am Wochenende ein Platzverweis. Der Grund ist eine Facebook-Party-Einladung.von Alice Winkler

Vor so großen Feiern hat man in Saaße Angst: Facebook-Party in Hamburg im Jahr 2011. Bild: dpa
HAMBURG taz | 135 Einwohner hat das niedersächsische Saaße. Stolze 90 Polizisten werden den Ort an diesem Wochenende von Samstag- bis Sonntag Nachmittag abriegeln. Ausgenommen vom vorab ausgesprochenen Platzverweis sind einzig Anwohner – und Menschen, die ein „berechtigtes Interesse“ nachweisen können.
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„Ausflüge oder das Besuchen entfernter Verwandter sind nicht empfehlenswert“, sagt Thomas Raubuch, Vertreter des Bürgermeisters der Samtgemeinde Lüchow. Grund für all das: eine Facebook-Party-Einladung.
Beim Erstellen einer Veranstaltung in dem sozialen Netzwerk kann man wählen, ob diese für jeden Nutzer oder nur für „Freunde“ zugänglich sein soll. Wer das Häkchen an der falschen Stelle setzt, läuft Gefahr, mal eben eine Großveranstaltung ins Rollen gebracht zu haben – genau das geschah Jenny B.: Sie hatte Grillen mit Freunden geplant, dies aber ungewollt öffentlich gemacht.
Als der Fehler wenig später auffiel, war die Feier schon in die Welt getragen. Obwohl das Mädchen seine Einladung löschte, kündigten sich mehr als 1.000 Menschen an.
„Auch wenn nach Polizeierfahrung nur zehn bis 20 Prozent tatsächlich kommen, bleibt uns keine andere Möglichkeit, als den Ort dichtzumachen“, erklärt Raubuch. „Saaße ist einfach zu klein.“
Nach Angaben des Landkreises dient der Platzverweis der Gefahrenabwehr und ist erforderlich aufgrund der Erfahrungen, die andernorts mit unkoordinierten Facebook-Partys gemacht worden sind.
Beim bisher bekanntesten Fall wollten rund 1.500 Menschen auf den Geburtstag einer gewissen Thessa anstoßen – im Hamburger Elternhaus der 16-Jährigen. Zuletzt hatten Unbekannte Ende Juni eine Feier im niedersächsischen Barum publik gemacht, zu der ursprünglich nur 15 Leute kommen sollten. Rund 250 Jugendliche waren dem Aufruf aus dem sozialen Netzwerk gefolgt, es kam zu tumultartigen Szenen und Verletzten. Der dabei entstandene Schaden wird auf mehrere tausend Euro geschätzt.
„Der Einsatz wird wohl nicht ganz billig“, sagt nun auch Wiebke Hennig, Sprecherin der Polizeidirektion Lüneburg. Für die Kosten aufkommen muss normalerweise der Verursacher des Einsatzes – also diejenigen, die den Termin weiterverbreiteten, nachdem Jenny B. ihn schon aus dem Netz genommen hatte. „Da diese nicht auszumachen sind, bleibt die Finanzierung des Einsatzes unerfreulicherweise an den lokalen Haushalten hängen“, so Raubuch.
Freudig gestimmt sind dagegen manche Jugendlichen in der Umgebung: Am Wochenende, so ist zu hören, sei ja sonst nichts los.
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Leserkommentare
13.07.2012 19:11 | Steuerzahler
Am Ende müssen wir Steuerzahler mal wieder dafür aufkommen...