Colonia Dignidad : Rolle rückwärts
Chiles Präsident stoppt den Gedenkstättenbau des ehemaligen Sektenortes. Das reiht sich in einen revisionistischen Trend ein.
Foto: Pablo Sanhueza/reuters
D ie ehemalige Colonia Dignidad steht wie kaum ein anderer Ort auf der Welt für die systematische Verletzung von Menschenrechten, für sexualisierte Gewalt an Kindern, psychische und körperliche Misshandlungen, Folter und Mord. Über Jahrzehnte wurden dort Menschen gequält, viele der Bewohner*innen waren erst Opfer und wurden dann selbst zu Täter*innen gemacht. In der Zeit der Pinochet-Diktatur wurde das vom deutschen Kinderschänder Paul Schäfer gegründete Anwesen zur geheimen Folter- und Ermordungsstätte des Geheimdienstes.
Weder juristisch noch politisch ist die Geschichte der Sektensiedlung vollständig aufgearbeitet. Ein wichtiger Schritt war im vergangenen Jahr von der damaligen chilenischen Regierung gegangen worden: Sie verabschiedete den Plan, die 117 Hektar zu enteignen und dort eine Gedenkstätte für die Opfer zu errichten. Jetzt hat der Pinochet-Verehrer José Kast das Präsidentenamt übernommen und prompt macht seine Regierung die Entscheidung rückgängig – mit dem fadenscheinigen Verweis auf Geldmangel.
Doch das ist offensichtlich vorgeschoben: Die Kast-Regierung reiht sich ein im globalen Kampf der gar nicht mal so neuen Rechten um die Geschichte und ihre Deutung. Donald Trump tilgt in den USA die Themen Sklaverei und Rassismus aus den Geschichtsbüchern und Museen. Argentiniens Präsident Javier Milei relativiert die Verbrechen der dortigen Militärdiktatur. In Deutschland will die AfD den „Schuldkult“ beenden.
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