piwik no script img

Klimakrise und VersichererZu gefährdet, um versichert zu werden

Brancheninsider warnen davor, dass manche Regionen künftig unversicherbar sein werden – mit ernsten Folgen für die Betroffenen und das Finanzsystem.

Versicherungsunternehmen werden mit der zunehmend eskalierenden Klimakrise Unternehmen und Menschen in besonders gefährdeten Branchen und Regionen ohne Versicherungsschutz zurücklassen. Das sagen Brancheninsider voraus, die anonym gemeinsam ein Memo geschrieben haben. Im schlimmsten Fall könnte das eine Finanzkrise zur Folge haben.

„Als erfahrene Fachleute in unserem Feld sind wir zutiefst besorgt über die bedrohliche Geschwindigkeit, mit der die physischen Klima- und Umweltrisiken zunehmen“, schreiben sie. Vor diesem Hintergrund könne man erwarten, dass Versicherer Klimafolgen höchste Beachtung schenken. Doch „die Branche ist davon überzeugt, mir ihrer bisherigen Strategie die eigenen Risiken ausreichend begrenzen zu können“.

Die anonymen Brancheninsider haben sich unter dem Schirm der britischen NGO InsideTrack zusammengefunden. Die Organisation will Menschen in Führungspositionen ermöglichen, sich ohne Angst vor beruflichen Konsequenzen auszutauschen und öffentlich zu äußern.

Für die Versicherer sei es „aus kurzfristig betriebswirtschaftlicher Sicht“ nachvollziehbar, Schäden nicht versichern zu wollen. „Dahinter steckt keine böse Absicht, sondern eine Reaktion auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen wir arbeiten.“

Warnung vor Finanzkrise auch von der Allianz

Den Unternehmen stehen demnach drei Möglichkeiten zum Umgang mit der Erderhitzung offen: Sie würden Prämien erhöhen, „um den steigenden physischen Risiken Rechnung zu tragen“. Menschen mit wenig Geld können sich dann Versicherungsschutz nicht mehr leisten. Auch landwirtschaftliche Betriebe könnten darunter leiden.

Zudem werden Versicherer laut den Insidern besonders hohe Risiken zum Beispiel durch Waldbrände nicht mehr in den Versicherungsschutz aufnehmen. Und in Regionen, in denen auch bei höheren Prämien die Klimafolgeschäden zu hoch sein werden, „werden wir schlicht keinen Versicherungsschutz mehr anbieten“. Davon seien besonders Küsten- und Bergregionen sowie überschwemmungsgefährdete Gebiete betroffen.

Weil Versicherungsschutz die Grundlage für die Vergabe von Immobilienkrediten ist, drohten zudem „erhebliche wirtschaftliche Verwerfungen bis hin zu einer Finanzkrise“, schreiben die Autor:innen. Vor einer solchen Entwicklung hatte schon 2025 der damalige Allianz-Vorstand Günther Thallinger gewarnt.

Mit dem Memo appellieren die Ver­fas­se­r:in­nen an die politischen Verantwortlichen und die Aufsichtsbehörden. „Sie müssen erkennen, dass unsere Modelle eine wachsende Versicherungsschutzlücke aufzeigen.“ Auch In­ves­to­r:in­nen müssten „verstehen, dass die zunehmende Unberechenbarkeit und Schwere der Klimafolgen zu Verlusten führen könnten, die unsere Branche finanziell erheblich belasten“.

2025 wurden laut dem Rückversicherer Münchener Rück 224 Milliarden US-Dollar durch Naturkatastrophen vernichtet. Besonders Ereignisse, die oft auftreten und begrenzte Schäden verursachen, nehmen demnach zu.

Mehr zum Thema

0 Kommentare