Kommentar von ULRIKE HERRMANN
Die Finanzmärkte sind eine riesige "Zockerbude". Dieses Bild hat sich bei den meisten Bürgern festgesetzt - und sie liegen damit richtig. Gezockt wird vor allem mit Derivaten, denn mit ihnen lassen sich Wetten abschließen. Gewettet wird auf alles, was sich bewegt: auf die Entwicklung von Zinssätzen, Devisenkursen, Aktienkursen, Rohstoffpreisen oder Kreditausfallrisiken. Eigentlich sind es Nullsummenspiele. Was der eine gewinnt, verliert sein Gegenüber.
Das klingt so harmlos wie eine Fußballwette - und doch sind Derivate extrem gefährlich. Denn mit ihnen werden Billionen umgesetzt, und da kann eine verzockte Wette schnell eine ganze Bank in den Abgrund reißen. Insofern ist es richtig und höchste Zeit, dass sich die EU-Finanzminister darauf geeinigt haben, dass alle Derivate über Clearingstellen abgewickelt werden. Denn bisher wurden diese Papiere meist nur zwischen zwei Partnern "over the counter" gehandelt - so dass niemand wusste, wer eigentlich welches Derivat besitzt. Das hat die Unsicherheit auf den Finanzmärkten extrem verstärkt.
Trotzdem reicht es nicht, nur Clearingstellen einzurichten. Denn damit wird das Risiko im System nicht reduziert - sondern bei den Clearingstellen konzentriert. Noch immer ist es möglich, dass sich Banken grandios verzocken und die Steuerzahler dann die Kosten tragen dürfen. Deswegen müssten sich die EU-Finanzminister dringend auf weitere Schritte einigen.

ULRIKE HERRMANN ist wirtschaftspolitische Korrespondentin der taz. Foto: taz
Erstens: Jedes Derivatgeschäft ist mit Eigenkapital zu unterlegen. Zweitens: Alle Derivatgeschäfte werden verboten, die der reinen Spekulation dienen. Letzteres bedeutete, dass man nicht mehr einfach auf den Ölpreis wetten könnte - man müsste auch die Tankerladung in Empfang nehmen. Ölhändler hätten damit kein Problem, Spekulanten schon. Deswegen wäre eine solche Regelung so effektiv.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
21.10.2011 02:27 | Michael
Frau Hermann, kleine Kunde in "wie funktioniert der Kapitalismus": ...
06.10.2011 14:31 | Hasso
Ihr Wort in Gottes Ohr, Frau Herrmann-, aber die Politik ist zu schwach. Die sogenannten Volksvertreter bekommen ein paar S ...
06.10.2011 13:13 | FRITZ
"Zweitens: Alle Derivatgeschäfte werden verboten, die der reinen Spekulation dienen." ...