Der Bramscher Lagerleiter macht entweder Wahlkampf oder ist überfordert.

Stimmungsmache gegen Ausländer

Wenn die Boot-ist-voll-Äußerungen des Bramscher Lagerleiters keine Propaganda sein sollten, sind sie ein Rücktrittsgesuch.

Wir sind voll bis Oberkante Unterlippe. Personell stoßen wir bereits jetzt an unsere Grenzen. Der Abfluss in die Kommunen muss schneller werden. Die Kommunen sind auch voll. Ansturm, Andrang, das große Gedränge … bestimmt wären Conrad Bramm noch mehr Ausdrücke eingefallen.

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Bloß hätte er damit den Rahmen einer Zeitungsseite gesprengt: Bramm ist der Kommandant, pardon!, Leiter des Asylbewerberlagers von Bramsche. Und unklar ist, ob sein persönlicher Fremdenhass oder ein Wunsch des Innenministers seine Äußerungen motiviert hat. Letzteres würde ihre rein rhetorische Qualität erklären. Denn die tritt zutage, sobald man die Brammschen Boot-ist-voll-Sprüche mit der Wirklichkeit abgleicht: Während vor 20 Jahren im Lager Bramsche 3.500 AsylbewerberInnen untergebracht waren, sind Bramm schon die 600 heutigen Insassen zu viel – verständlich ist das nicht.

Es sei denn, der gute Herr Bramm hätte gar nicht als Propagandist des Innenministers und seiner Partei fungiert, die schon oft Wahlkämpfe mit Überfremdungsangst befeuert hat, sondern nur seine schlichte Überforderung artikuliert. Dann wären seine Äußerungen ein Entlassungs-Gesuch. Dem sollte Uwe Schünemann eilig nachkommen – schon um das Gerücht zu entkräften, er bediene sich seiner nachgeordneten Behörden, um zu hetzen und Stimmung zu machen. Gegen Ausländer. Und für die CDU.

 
18. 09. 2012

Jahrgang 1972. Seit 2002 bei taz.nord in Bremen als Fachkraft für Agrar, Oper und Abseitiges tätig. Alexander-Rhomberg-Preis 2002.

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