Kommentar von Dominic Johnson
Hilflos sieht die Welt zu, wie in Mali einer der einst stabilsten Staaten Afrikas zerfällt. Es liege an der westafrikanischen Region selbst, sich zu engagieren, lautet die internationale Sprachregelung: Erst soll die westafrikanische Regionalorganisation Ecowas einen überzeugenden Plan vorlegen, den man von außen unterstützen kann.
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Die Ecowas wiederum sagt: Erst soll in Mali eine stabile Regierung entstehen, dann könnte man Hilfe gewähren. In Mali kann aber keine stabile Regierung entstehen, solange in der einen Landeshälfte islamistische Milizen und in der anderen putschwütige Soldaten die zivilen Institutionen aushöhlen. So beißt sich die Katze in den Schwanz.
Vielleicht ist es zu viel verlangt, ausgerechnet von Westafrika zu erwarten, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Als vor anderthalb Jahren die Elfenbeinküste im Bürgerkrieg versank, blieb die Ecowas ebenso machtlos, und ihre beiden wichtigsten und größten Mitglieder Nigeria und Ghana fanden sich auf entgegengesetzten Seiten des Konflikts wieder.

DOMINIC JOHNSON
ist Co-Leiter des Auslandsressorts und zuständig für die Afrika-Berichterstattung.
Foto: tazHeute sind Nigeria und Ghana wieder im Zwist, weil Ghanas Regierung begonnen hat, Einwanderer aus den Märkten und dem Einzelhandel zu verdrängen. Die beiden Länder haben schon in vergangenen Jahrzehnten mit wechselseitigen Massenausweisungen völlig unnötige regionale Krisen vom Zaun gebrochen. Jetzt verhindern sie schon wieder die Einigkeit der Region.
Aber das wahre Problem Westafrikas geht noch tiefer. Für Krisen in frankophonen Ländern wie Mali oder Guinea sind immer noch vor allem frankophone Länder zuständig, für Krisen in anglophonen Ländern wie Liberia oder Sierra Leone sind es anglophone Länder. Aber Westafrikas Gesellschaften sind schon längst aus dem Schatten ihres kolonialen Erbes hervorgetreten. Es ist Zeit, dass es Westafrikas Politik auch tut.
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