Der syrische Stellvertreterkrieg wird noch lange brutal bleiben

Saison der Massaker

Kommentar von Georg Baltissen

Grausam, brutal, unerbittlich. In Syrien hat die Zeit der Massaker begonnen. Und diese Zeit wird lange dauern. Das Abschlachten von Menschen, die Rache für erlittene Gräueltaten, der Kampf um die Vormacht in jedem Dorf und in jeder Region haben erst begonnen. Entschieden ist die Schlacht noch nicht.

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Bislang – und das trifft wohl auch auf das jüngste Massaker in Trimsa zu – sind in den meisten Fällen die Regierungstruppen und die Shabiha-Milizen für die monströsen Verbrechen verantwortlich. Das muss so aber nicht bleiben. In einem Krieg, der buchstäblich ums Überleben geht, wird die moralische Grenze gedehnt, bis sie nicht mehr wirksam ist.

Die Bemühungen der internationalen Diplomatie sind einfach an den Machtinteressen der beteiligten Groß- und Kleinmächte gescheitert. Der Annan-Plan war immer nur die Ausrede aufseiten aller beteiligten Staaten dafür, dass sie keine Idee hatten, wie dem inneren Konflikt in Syrien beizukommen gewesen wäre. Also wird er jetzt ausgefochten. Dabei sind die Armee-Einheiten und die Shabiha-Milizen im Vorteil – militärisch. Aber das kann sich durchaus ändern.

Georg Baltissen

Georg Baltissen

ist Redakteur im Auslandsressort der taz.

Foto: privat

Viele internationale und regionale Akteure haben ein großes Interesse daran, in Syrien einen Stellvertreterkrieg auszufechten, der sich gegen Iran, gegen die Hisbollah im Libanon und gegen die schiitische Herrschaft im Irak richtet. Um einen Flächenbrand zu vermeiden, der die gesamte Region in einen Krieg verwickelt, wird umso heftiger und gnadenloser in Syrien massakriert und gefochten.

Schon heute ist absehbar, dass Syrien auf ein bis zwei Jahrzehnte hinaus ein verarmtes, destabilisiertes und verheertes Land bleiben wird, in dem ein menschenwürdiges Leben nicht mehr möglich sein wird.

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