Fraglicher Erfolg der Rohstoffpartnerschaften

Recyceln ist alternativlos

Kommentar von Heike Holdinghausen

Die globalen Machtverhältnisse verschieben sich, und zwar zu Ungunsten von Europa. Kaum ein Feld macht das so deutlich wie die Rohstoffpolitik. Arme Länder, die über Rohstoffvorräte verfügen, betrachten ihre Metalle und Mineralien mit neuen Ansprüchen. Kasachstan will sie - wie bisher Öl und Gas - nicht nur für gutes Geld verkaufen, sondern auch die eigene Wirtschaft entwickeln. Bolivien mit seinen großen Lithiumvorräten handelt ähnlich.

Ganz zu schweigen von den Schwellenländern. Längst sind China, Brasilien oder Indien nicht mehr nur große Rohstoffproduzenten, sondern auch große Rohstoffkonsumenten. Seltenerdmetalle, Kupfer und Aluminium werden vor Ort gefördert und verarbeitet. Europas Industrie steht inzwischen am Rand.

Unternehmen und Regierung in Deutschland versuchen daher, mit einer forcierten Beschaffungspolitik im Rennen zu bleiben. Die Rohstoffallianz, eine Einkaufsgemeinschaft großer deutscher Unternehmen, ist so ein Versuch, die bilateralen Rohstoffpartnerschaften mit der Mongolei oder Kasachstan ein anderer.

Heike Holdinghausen ist Redakteurin im Ökologie- und Wirtschaftsressort der taz.

Ob diese beiden Instrumente die gewünschten Ergebnisse bringen, ist indessen offen. Im Zweifel entscheiden allerdings nicht bilaterale Abkommen, sondern die Realitäten des Weltmarktes über Angebot und Preis von Rohstoffen.

Es ist daher ein strategischer Fehler, nicht alle Kraft in den Zugang zu hiesigen Rohstoffvorkommen zu stecken: ins Recycling, um eine Kreislaufwirtschaft zu organisieren, die diesen Namen auch verdient. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht ist Deutschland auf diesem Feld keineswegs so weit entwickelt, dass hier nichts mehr zu holen wäre.

Wir brauchen bessere Sammelsysteme und müssen Produkte entwickeln, die sich - anders als die derzeitigen Handys oder Laptops - für eine erneute Verwendung auch eignen. Eine Kreislaufwirtschaft ist längst nicht mehr nur eine ökologische, sondern schlicht eine ökonomische Notwendigkeit.

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