Ver.di vergibt Medaillen an Händler, bei denen zu fairen Bedingungen eingekauft werden kann.von Sebastian Puschner

Nicht nur Sportler, auch der Einzelhandel strebt nach Medaillen. Bild: dpa
Mit Gold, Silber und Bronze hat die Gewerkschaft Ver.di am Mittwoch die Arbeitsbedingungen in 28 Einzelhandelsbetrieben in Berlin und Brandenburg ausgezeichnet. Zudem stellte sie den „Fair-Kauf-Führer“ vor, ein vierseitiges Faltblatt, das Kunden empfiehlt, wo sie wegen guter Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten bedenkenlos einkaufen können. „Wir wollen damit Anreize für vernünftige Arbeitsbedingungen im Einzelhandel schaffen“, sagte die Fachbereichsleiterin Handel der Gewerkschaft in Berlin-Brandenburg, Erika Ritter.
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Ohne Bauchschmerzen zu bekommen, ist ein Einkauf nur bei den Gewinnern einer Goldmedaille möglich: Bei Galeria Kaufhof in Berlin und Cottbus, Kaufland in Strausberg, Saturn am Alexanderplatz und Karstadt in der Wilmersdorfer Straße. Allein diese fünf erhielten durchweg positive Bewertungen. Kriterien waren etwa Bezahlung, Arbeitnehmerrechte und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
In Berlin und Brandenburg arbeiten rund 200.000 Menschen im Einzelhandel. An 150 Betriebe hatte Ver.di Fragebögen verschickt, bei 70 war der Rücklauf groß genug, um sie bewerten zu können. Die Auswertung beruht nun auf 2.000 ausgefüllten Fragebögen mit jeweils sechs Fragen, die Beschäftigte an Ver.di zurückgeschickt hatten. Unternehmen, in denen die Gewerkschaft keine oder nur wenige Mitglieder hat, tauchen nicht in der Bewertung auf – von den Discountern Lidl und Aldi etwa kam kaum etwas zurück.
Bei 28 Geschäften reichte es für eine Medaille – dank des großzügigen Maßstabs, den Ver.di bei der Auswertung anlegte. Wer nach Tarif bezahlt und einen Betriebsrat hat, dem war bereits Bronze sicher. Wer keine Rücksicht auf die Arbeitszeitwünsche von Eltern nimmt und mit Leiharbeitern und Werkverträgen operiert, konnte trotzdem noch Silber erlangen.
So etwa das versilberte Kaufhaus des Westens (KaDeWe): Dort arbeite an der Kasse nur Personal, das eine externe Agentur anstellt, kritisierte selbst Ver.di-Fachbereichsleiterin Ritter. Damit ließen sich Tarifverträge umgehen und werde die Selbstvertretung der Arbeitnehmer erschwert. Auch in den mit Silber ausgezeichneten Berliner Edeka-Märkten von Reichelt arbeite nach 20 Uhr fast ausschließlich Personal mit Werkverträgen. „Die verdienen natürlich weniger als die 20 Euro, die ein Festangestellter mit allen Zuschlägen bekommen würde“, sagte Ritter.
Seit der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten 2006 ist der Anteil der geringfügig Beschäftigten im Berliner Einzelhandel massiv gestiegen: Ein Viertel der 120.000 Arbeitenden sind Niedriglöhner und Nebenjobber. „Solche Beschäftigungsverhältnisse verdrängen qualifizierte Vollzeitarbeitsplätze“, so Ritter. Unter sozialen Gesichtspunkten sei von einem Einkauf nach 20 Uhr abzuraten.
Trotzdem will Ver.di mit dem Ratgeber positive Aspekte würdigen: „Wir wollen unser Augenmerk nicht immer nur auf Skandale richten, sondern auch herausstellen, was vorbildhaft ist“, sagte Ritter.
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Leserkommentare
18.08.2012 08:54 | Enzo Aduro
Nur weil die Verdi meint man braucht eine dreijährige Ausbildung um Jogurtbecher über den Scanner zu ziehen, stimmt das nic ...
17.08.2012 12:06 | Gast
Wieso sollte verdi ein Problem damit haben, dass nach 20 Uhr vor allem Aushilfskräfte (Studenten etc.) in den Einzelhandels ...
16.08.2012 19:07 | U.G.
Eine goldene Medaille kriegen ver.di, DGB usw. von mir nicht. ...