Krieg im Iran : Die Iraner wollen nicht mit Gewalt befreit werden
Krieg und äußerer Druck schwächen die iranische Gesellschaft und festigen autoritäre Strukturen. Demokratie kann nicht herbeigebombt werden.
A ls im März 2003 die USA und ihre Verbündeten den Irak angriffen, war ich Schüler in einer Kleinstadt im Westen des Landes. Ich erinnere mich noch genau daran, wie unser Schulleiter verkündete, dass auch wir uns auf einen möglichen Angriff vorbereiten müssten. Der Iran gehörte damals zur sogenannten „Achse des Bösen“. Die Angst blieb über Jahre bestehen, bis sie schließlich Realität wurde.
ist Religionsphilosoph und promoviert an der Goethe-Universität in Frankfurt.
Es wäre falsch, zivile Opfer lediglich als „Kollateralschäden“ zu betrachten. Schon die Sanktionen der vergangenen Jahre haben vor allem die Bevölkerung geschwächt, nicht die politische Führung. Auch der Krieg verschärft diese Dynamik. In dicht besiedelten Städten bedeutet jeder Angriff auf staatliche Ziele zugleich Gefahr für die Zivilbevölkerung. Familien leben in ständiger Angst, ihre Nachbarschaft könnte zum Ziel werden. Laut der Menschenrechtsorganisation HRANA wurden bisher Tausende Menschen getötet und Millionen innerhalb des Landes vertrieben.
Zugleich greift die Illusion zu kurz, das politische System im Iran könnte von außen beseitigt werden. Staat und Gesellschaft sind enger miteinander verwoben, als oft angenommen wird. Die Islamische Republik ist nicht einfach ein isoliertes Machtzentrum, denn ihre ideologischen Wurzeln reichen tief in Teile der Gesellschaft hinein. Wer dies ignoriert, unterschätzt die Komplexität des Landes und überschätzt die Wirkung militärischer „Lösungen“.
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Die Lehren aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan sind eindeutig: Der Versuch, Demokratie durch militärische Interventionen durchzusetzen, hat zu jahrelanger Instabilität, Gewalt und neuen Konflikten geführt. Eine weitere Eskalation würde nicht nur das Land selbst, sondern auch die gesamte Region destabilisieren. Wenn Europa und die USA die Demokratie im Iran unterstützen wollen, sollten sie die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Krieg und äußerer Druck schwächen die Gesellschaft und festigen autoritäre Strukturen.
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