Der türkische Außenminister fordert Schutzzonen für die syrische Bevölkerung. Er sagt, wer nicht handelt, wird zum Komplizen. Die Mitglieder im Sicherheitsrat wollen warten.
Klar, dass Davutoglu Schutzzonen innerhalb Syriens fordert, denn Ankara hat schreckliche Angst, dass der Zustrom von Syrern das prekaere Gleichgewicht zwischen tuerkisch und arabisch sprechenden Bewohnern der umstrittenen Grenzgebiete, vor allem im Sandschak Alexandrette (tuerk. Iskenderun) kippt. Da damit zu rechnen ist, dass ein grosser Teil der Fluechtlinge sich dort wohlfuehlt und keine Lust hat, die prosperierende und sichere Tuerkei wieder zu verlassen, koennte Damaskus irgendwann die Bevoelkerungsmehrheit im Grenzgebiet reklamieren und die Rueckkehr des Sandschaks nach Syrien fordern. Fazit: Weder die Tuerkei noch Jordanien koennen die Fluechtlinge brauchen. Man wird sie bald brutal zu vertreiben versuchen.
31.08.2012 09:54 Uhr
von Hafize:
"Es sagt, wer nicht handelt, wird zum Komplizen."
Die Türkei handelt längst selbst und zwar auf der Seite der Aufständischen. Die türkische Regierung beliefert die Aufständischen mit leichten Waffen - nach eigenen Angaben. Längst ist die Türkei eine Konfliktpartei geworden, die damit auch Vermittlungsversuche von der UN und Arabischen Liga unterläuft. Insofern ist das ziemlich zynisch, auf der einen Seite, die eigene Grenze zu schließen, auf der anderen Seite die Moralkeule zu schwingen und gleichzeitig aktive Kriegspartei in einem Konflikt zu sein. Außerdem sind die Aufständischen genausowenig legitimiert, wie der Diktator Bashar al-Assad - das rechtfertigt für ein NATO-Mitglied und mit der EU- aufs tiefste verbundene Land wohl kaum einen solchen Eingriff,. den die eigene Bevölkerung absolut ablehnt.
Letztlich wollte eine Delegation der CHP die freie syrische Armee in der Türkei besuchen, aber ihnen wurde der Zutriff verweigert. Was immer sie dort in diesem Camp treiben, es ist wohl zu viel für die Augen einer Oppositionspartei aus Ankara.
Ich kann nur sagen: Die Syrer werden verrraten und verkauft. Die vermeidlichen Helfer-Regierungen haben gar nicht im Sinn der Bevölkerung dort zu helfen, sondern sie wollen Assad stürzen und Israels Position stärken, wollen den Angriff auf den Iran abfedern. Die Menschen in Halep und Damaskus werden noch ziemlich lange sterben, keine Medikamente bekommen, in Ruinen leben und immer stärker eine 'Regierung' haben, die sie weder gewählt haben, noch wirklich kennen.
31.08.2012 09:49 Uhr
von Jörn:
Schutzzonen für die Bevölkerung klingen gut. Doch Schutz vor wem? Schutz vor Assad und seinen Schergen - sicher. Aber auch Schutz vor den Rebellen und ihren ethnisch/religiös motivierten Morden! Vielleicht eine Schutzzone unter kurdischer Kontrolle an der Grenze zur Türkei? Das meinte der türkische Vorschlag sicher nicht! Wer könnte eine solche Schutzzone kontrollieren, vor dem nicht selbst geschützt werden müsste? Der Bürgerkrieg ist angefacht worden - niemand steht mehr für die friedliche Koexistenz der religiösen und ethnischen Gruppen der Bevölkerung. Die Türkei, Frankreich, Grossbritannien und die USA sind selbst Partei - genauso wie der Iran. Eine Schutzmacht Russland oder China löst ebenfalls ein Gruseln aus. Bleiben die UNO oder die Blockfreien Staaten - doch bislang zeigt nur Interesse, wer eigene Interessen verfolgt: Eine Schutzzone darf kein Blankoscheck für eine Invasion sein.
Leserkommentare
31.08.2012 10:57 Uhr
von Pinco Pallino:
Klar, dass Davutoglu Schutzzonen innerhalb Syriens fordert, denn Ankara hat schreckliche Angst, dass der Zustrom von Syrern das prekaere Gleichgewicht zwischen tuerkisch und arabisch sprechenden Bewohnern der umstrittenen Grenzgebiete, vor allem im Sandschak Alexandrette (tuerk. Iskenderun) kippt. Da damit zu rechnen ist, dass ein grosser Teil der Fluechtlinge sich dort wohlfuehlt und keine Lust hat, die prosperierende und sichere Tuerkei wieder zu verlassen, koennte Damaskus irgendwann die Bevoelkerungsmehrheit im Grenzgebiet reklamieren und die Rueckkehr des Sandschaks nach Syrien fordern. Fazit: Weder die Tuerkei noch Jordanien koennen die Fluechtlinge brauchen. Man wird sie bald brutal zu vertreiben versuchen.
31.08.2012 09:54 Uhr
von Hafize:
"Es sagt, wer nicht handelt, wird zum Komplizen."
Die Türkei handelt längst selbst und zwar auf der Seite der Aufständischen. Die türkische Regierung beliefert die Aufständischen mit leichten Waffen - nach eigenen Angaben. Längst ist die Türkei eine Konfliktpartei geworden, die damit auch Vermittlungsversuche von der UN und Arabischen Liga unterläuft.
Insofern ist das ziemlich zynisch, auf der einen Seite, die eigene Grenze zu schließen, auf der anderen Seite die Moralkeule zu schwingen und gleichzeitig aktive Kriegspartei in einem Konflikt zu sein. Außerdem sind die Aufständischen genausowenig legitimiert, wie der Diktator Bashar al-Assad - das rechtfertigt für ein NATO-Mitglied und mit der EU- aufs tiefste verbundene Land wohl kaum einen solchen Eingriff,. den die eigene Bevölkerung absolut ablehnt.
Letztlich wollte eine Delegation der CHP die freie syrische Armee in der Türkei besuchen, aber ihnen wurde der Zutriff verweigert. Was immer sie dort in diesem Camp treiben, es ist wohl zu viel für die Augen einer Oppositionspartei aus Ankara.
Ich kann nur sagen: Die Syrer werden verrraten und verkauft. Die vermeidlichen Helfer-Regierungen haben gar nicht im Sinn der Bevölkerung dort zu helfen, sondern sie wollen Assad stürzen und Israels Position stärken, wollen den Angriff auf den Iran abfedern. Die Menschen in Halep und Damaskus werden noch ziemlich lange sterben, keine Medikamente bekommen, in Ruinen leben und immer stärker eine 'Regierung' haben, die sie weder gewählt haben, noch wirklich kennen.
31.08.2012 09:49 Uhr
von Jörn:
Schutzzonen für die Bevölkerung klingen gut. Doch Schutz vor wem? Schutz vor Assad und seinen Schergen - sicher. Aber auch Schutz vor den Rebellen und ihren ethnisch/religiös motivierten Morden! Vielleicht eine Schutzzone unter kurdischer Kontrolle an der Grenze zur Türkei? Das meinte der türkische Vorschlag sicher nicht!
Wer könnte eine solche Schutzzone kontrollieren, vor dem nicht selbst geschützt werden müsste? Der Bürgerkrieg ist angefacht worden - niemand steht mehr für die friedliche Koexistenz der religiösen und ethnischen Gruppen der Bevölkerung.
Die Türkei, Frankreich, Grossbritannien und die USA sind selbst Partei - genauso wie der Iran. Eine Schutzmacht Russland oder China löst ebenfalls ein Gruseln aus.
Bleiben die UNO oder die Blockfreien Staaten - doch bislang zeigt nur Interesse, wer eigene Interessen verfolgt: Eine Schutzzone darf kein Blankoscheck für eine Invasion sein.