Nahverkehr: S-Bahn versinkt im Chaos
Weil noch weniger Züger fahren, dürfen Fahrräder ab sofort nicht mehr in die S-Bahn. Klaus Wowereit fordert Fahrgemeinschaften, der Fahrgastverband rät, die S-Bahn zu meiden.
Bild: AP, Herbert Knosowski
In der S-Bahn dürfen Fahrräder bis auf weiteres nicht mehr mitgenommen werden. In der Sonderausgabe des Kundenmagazins Punkt 3, das die S-Bahn ab Montag verteilt, heißt es fettgedruckt: "Die Fahrradmitnahme in den Entlastungszügen RE 7, RB 14, RE 1 und RE 6 sowie im gesamten S-Bahn-Netz und in den Ersatzverkehren ist derzeit leider nicht möglich." Die S-Bahn will damit mehr Platz für Fahrgäste schaffen. Ab diesem Montag ist das Unternehmen nur noch mit einem Drittel der Fahrzeuge unterwegs. 19 Bahnhöfe werden nicht mehr angefahren, darunter die Haltestellen zwischen Bahnhof Zoo und Ostbahnhof. Der Fahrgastverband IGEB warnt angesichts dessen vor einem "schwarzen Montag" und empfiehlt, die S-Bahn nach Möglichkeit zu meiden.
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief die Berliner am Sonntag "zu Solidarität und Rücksichtnahme" auf. Die Stadt werde "jetzt vor eine neue Geduldsprobe gestellt". Die Menschen seien die ständig neuen Hiobsbotschaften rund um die S-Bahn leid. In den Bussen und Bahnen komme es nun "gerade in Stresssituationen auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft an, insbesondere gegenüber älteren Menschen, Erwachsenen mit Kindern oder Menschen mit Behinderungen". Wer mit dem Auto unterwegs sei, solle überlegen, "ob er anderen nicht eine Fahrgemeinschaft anbieten". Er erwarte, dass die S-Bahn mit Hochdruck an der Wiederherstellung eines funktionierenden Nahverkehrs arbeite.
Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hat seine Online-Fahrplanauskunft erst teilweise angepasst. Wer wissen will, wie er von Bellevue zum Alexanderplatz kommt, erhält folgenden Hinweis: "Leider konnte zu Ihrer Anfrage keine Verbindung gefunden werden." Das ist zwar richtig, weil die S-Bahn nicht mehr fährt. Der Bus-Ersatzverkehr wird jedoch nicht angezeigt.
Seit knapp drei Wochen fährt die S-Bahn mit weniger Zügen, weil das Eisenbahnbundesamt aus Sicherheitsgründen verschärfte Kontrollen angeordnet hat. Bei einer solchen Inspektion im Juni wurde laut Berliner Zeitung ein rund fünf Zentimeter langer Radriss entdeckt. Das Rad sei "in erheblichem Ausmaß auffällig geworden", zitiert das Blatt den Sprecher des Eisenbahnbundesamtes.
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