Nordirland: Minister verurteilt Ausschreitungen als rassistisch
Nordirland-Minister Hilary Benn hat die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Belfast scharf verurteilt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.
Foto: Peter Morrison/AP/dpa
rtr/ap | Der britische Nordirland-Minister Hilary Benn hat die tagelangen fremdenfeindlichen Ausschreitungen in der Provinz scharf verurteilt. Nach zwei Krawallnächten, in denen die Polizei am Mittwochabend zudem Wasserwerfer einsetzte, sprach Benn am Donnerstag im Fernsehsender Sky News von „rassistischem Schlägertum“. Zwar habe es in der Nacht zum Donnerstag in Belfast weniger Unruhen gegeben als in der vorangegangenen. Randalierer versuchten jedoch, zu einem Hotel außerhalb der nordirischen Hauptstadt vorzudringen, das in der Vergangenheit als Unterkunft für Asylbewerber genutzt worden war.
Auslöser der Gewalt war ein Messerangriff am Montagabend, nach dem ein Mann aus dem Sudan wegen versuchten Mordes angeklagt wurde. In der Nacht zum Mittwoch hatten Randalierer gezielt Häuser und Fahrzeuge von Angehörigen ethnischer Minderheiten in Brand gesteckt. Die Gewalt habe bei den Betroffenen schwere Traumata hinterlassen, erklärte Benn. Die Angst unter den ethnischen Minderheiten in Nordirland sei derzeit kaum zu beschreiben, so Benn. Es gebe Berichte über Menschen, deren Autos gestoppt und die nach ihrer Nationalität gefragt worden seien. „Das ist schrecklich“, sagte der Minister.
Anwohner berichten von Angst
Auch Anwohner haben von ihrer Angst und Verunsicherung berichtet. Anselme Shima, ein ursprünglich aus der Demokratischen Republik Kongo stammender Einwohner der Hauptstadt Belfast, sagte, er habe in der Nähe seines Hauses den Rauch gesehen, der über brennenden Fahrzeugen aufstieg. „Ich lebe seit fast zehn Jahren in meiner Straße, ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen Nachbarn, aber die vergangene Nacht war schrecklich“, sagte er. „Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Ich habe Angst. Wenn ich das sehe, frage ich mich, ob ich der Nächste bin.“
Die Polizei hatte am Mittwoch Wasserwerfer gegen gewalttätige Demonstranten eingesetzt, nachdem es nach einem brutalen Messerangriff in Belfast die zweite Nacht in Folge zu Ausschreitungen gekommen war.
Nordirlands Polizeichef Jon Boutcher sagte der BBC, Familien seien zu ihrer Sicherheit auf Polizeiwachen gebracht worden, eine davon mit einem Baby. Betroffen gewesen seien nicht nur Menschen, die einer ethnischen Minderheit angehörten, vielmehr seien Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen „in dieses abscheuliche Verhalten hineingezogen“ worden. „Dafür gibt es absolut keine Entschuldigung.“
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