Auf Nazi-Leaks werden die Kontaktdaten von vermeintlichen Neonazis veröffentlicht - bald sollen weitere folgen. Doch der Sinn der Outings ist in die Kritik geraten.von Andreas Speit

Nazis im Visier - aber nicht besonders differenziert. Bild: Screenshot nazi-leaks.net
HAMBURG taz | Namen, Adressen, E-Mailkontakte und Telefonnummern. In den nächsten Tagen will die Hackerinitiative "Nazi-Leaks" weitere Daten aus der rechten Szene ins Netz stellen. Vor Neujahr hatten die anonymen Netzaktivisten ihre "Operation Blitzkrieg" gestartet, sprich: Kundendaten von Versandhandel und Kontaktadressen von Neonazigruppen veröffentlicht. Doch diese Datenkombination auf "Nazi-Leaks" löst nicht bloß Applaus aus.
"Warum diese Daten veröffentlicht wurden, ist nicht erkennbar", sagt Simone Rafael vom "Netz gegen Nazis" der taz. Bei der Aktion würde nicht mehr unterschieden, ob wirklich relevante Informationen zur Szene öffentlich würden – wie Namen von Kader einer Struktur. Nicht jeder, der ein T-Shirt bei einem Nazi-Versand bestelle, müsste mit voller Adresse öffentlich gemacht werden.
"Virtuelle Pranger zu errichten, auf denen dann auch noch ungeprüfte Daten veröffentlicht werden, sind keine geschickte Erwiderung auf rechtsextreme Aktivitäten" sagt Rafael. "Hacker können doch mit Nazi-Websites viel schönere und wirkungsvollere Sachen machen". So könnten diese etwa mit Anti-Nazi-Grafiken aufgepeppt, Kommentarspalten mit Humor in Bild und Text überschwemmt oder Internetportale einfach lahmgelegt werden.
Auf dem Outingportal haben die Hacker, die sich zu dem Netzwerk "Anonymous" zählen, unter anderem Daten der Modemarken "Eric & Sons" und "Thor Steinar" und von den Internetversandhandel "odin-versand" und "nationales Versandhaus" veröffentlicht. Eine vermeintliche Spenderliste der NPD und unüberprüfte Namensliste von Anhänger von "Blood & Honour" wurden ins Netz gestellt sowie eine angebliche "Autorenliste" der Jungen Freiheit (JF). Die Redaktion stellte Strafanzeige gegen Unbekannt.
Mehrere Datenblöcke waren bereits vor ihrer Veröffentlichung durch "Nazi-Leaks" bekannt. Nach dem Bekanntwerden der Taten des Neonazitrios NSU hatte "Nazi-Leaks" beschlossen "einfach mal alles zentral anzubieten". Die Kritik an den Veröffentlichungen scheint die Gruppe, deren Kern bis zu zehn Personen bilden sollen, inzwischen zu teilen: Sie sei "berechtigt" heißt es. Weitere Daten, auch aus dem internationalen Spektrum, würden veröffentlicht werden - aber nach besserer Überprüfung. Einige Daten, die nicht überprüft werden konnten, habe sie bereits zurückgehalten.
Der Umgang mit gehackten Daten beschäftigt Redaktionen regelmäßig. Im vergangenen Jahr spielten Hacker auch der taz oft Informationen zu. Nach Sichten und Auswerten, wie bei den rund 64.000 internen NPD-Mails wurden private Daten und Dialoge nicht veröffentlicht. Nur die politischen relevanten Informationen wurden aufgegriffen.
Bei "Operation Blitzkrieg" haben die Hacker aber nicht bloß Daten veröffentlicht. Auch Websites und Internetportale der Szene wurden lahmgelegt. Die rechtsextreme Szene rief längst auf verschiedenen Websites zum "Gegenangriff" auf: "OP-takedown". So erklärte die Gruppe "Weiße Wölfe Terrorcrew / Hamburger Nationalkollektiv" die "'Anons' mit ihren eigenen Waffen zu schlagen". Auch bei den Szeneportal "Altermedia" werden Informationen zum Netzangriff veröffentlicht. Ein nachhaltiger Effekt ist bei "Nazi-Leaks" aber nicht eingetreten.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
03.02.2012 22:53 | Weiße Rose
Ein Mensch bleibt ein Mensch, und Mordaufrufe gehen zu weit! ...
11.01.2012 18:17 | Peter
Schon gehört:
11.01.2012 05:50 | Wolf
@Siech Hein ...