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PartnerschaftsgewaltTäterarbeit kaum genutzt

Täterarbeit gilt als zentrales Mittel, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern. Allerdings wird sie selten genutzt, wie eine neue Jahresstatistik zeigt.

Täterarbeit im Kontext von häuslicher Gewalt wird in Deutschland kaum in Anspruch genommen. Das hat die am Montag veröffentlichte bundesweite Jahresstatistik 2025 der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt (BAG TäHG) ergeben. Demnach haben lediglich 3 Prozent der polizeilich bekannten Gewalttäter in Paarbeziehungen eine Beratung aufgenommen.

„Die Ergebnisse zeigen: Gewaltprävention in Form von standardisierter Täterarbeit bleibt in Deutschland die Ausnahme“, heißt es in einer dazu veröffentlichten Pressemitteilung des Dachverbandes, der 86 Täterarbeitsorganisationen mit 118 Beratungsstandorten in Deutschland vertritt.

Die Einrichtungen waren 2025 mit 5.521 gewaltausübenden Personen in Kontakt. In 64 Prozent der Fälle habe eine Beratungsaufnahme stattgefunden, so die Mitteilung. Zum Vergleich: Die polizeiliche Kriminalstatistik zählt allein im Hellfeld 138.543 Tatverdächtige bei Gewalt in Paarbeziehungen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass 95 Prozent der Gewalttaten in Paarbeziehungen nicht angezeigt werden.

Als Täterarbeit werden Programme bezeichnet, in der sich häusliche Gewalttäter in spezialisierten Zentren mit ihrem eigenen Gewalthandeln auseinandersetzen. Dabei sollen sie lernen, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen und die darunterliegenden Ursachen nachhaltig zu behandeln. In der Istanbul-Konvention zu Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen wird Täterarbeit in Artikel 16 als zentrales Präventionsinstrument benannt.

Kaum Inanspruchnahme von Behörden

21 Prozent der Kli­en­t:in­nen schlossen 2025 solche Programm ab, 35 Prozent waren zum Stichtag noch im Programm, 18 Prozent der gewalttätigen Personen brachen das Programm ab. Weitere wurden weitervermittelt oder wurden aus dem Programm ausgeschlossen.

Der größte Anteil der Kli­en­t:in­nen waren mit 36 Prozent dabei Personen, die sich selbst bei den Beratungsstellen gemeldet haben. Weitere 24 Prozent wurden durch das Jugendamt oder die Jugendhilfe vermittelt. Durch Behörden wie die Staatsanwaltschaft (7 Prozent), Polizei (6 Prozent), Strafgerichte (6 Prozent), Familiengerichte (5 Prozent) und Soziale Dienste der Justiz (4 Prozent) kommen hingegen nur wenige Menschen zu Täterarbeitsorganisationen.

Als Gründe für die insgesamt geringe Inanspruchnahme der Täterarbeit sieht der BAG TäHG fehlende Kapazitäten und ein fehlendes flächendeckendes Angebot. Auch gebe es bisher keine standardisierte Praxis der Zuweisung zu Täterprogrammen, so die Kritik. Täterarbeit als Teil des Gewaltschutzes dürfte jedoch in Zukunft präsenter werden: Im Mai hat der Bundestag eine Reform des Gewaltschutzgesetzes verabschiedet. Neben der elektronischen Fußfessel wurde auch die Möglichkeit geschaffen, dass Familiengerichte Tätern zur Teilnahme an Anti-Gewalt-Trainings verpflichten können.

Linda Conradi, Geschäftsleitung der BAG TäHG, begrüßte zwar die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. „Das setzt allerdings eine Beratungslandschaft voraus, die die gesetzlichen Neuerungen auch umsetzen kann“, sagt sie. Dafür brauche es aber eine öffentliche Finanzierung und die flächendeckende und barrierefreie Bereitstellung von Angeboten. „Davon“, so Conradi, „sind wir aktuell noch meilenweit entfernt.“

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2 Kommentare

  • Eric Manneschmidt

    Lesenswert: Scott Santens:



    Does Basic Income Cause Divorce? 50 Years of Evidence Says No.



    The 1970s fear that UBI breaks up families came from a statistical error. Finland, Canada, Kenya, and Alaska show no rise in divorce, and instead better relationships with less domestic violence.



    scottsantens.subst...e-divorce-evidence

    Auszüge:



    "In Kenya, economists studying GiveDirectly’s unconditional cash transfers measured intimate partner violence directly. Among women in households that received cash, the share who reported being kicked, dragged, or beaten by their husbands in the prior six months fell by 51%. It got cut in half. Reports of being slapped fell by a third. Forced sex fell too.



    ...



    Financial abuse occurs in 99% of domestic violence cases. Abusers control the money because money is the way out and economic hardship is the primary reason women return to abusive partners.



    ...



    Calnitsky and Gonalons-Pons argue that a basic income paid to every individual would likely do even more to reduce partner violence, because it puts resources directly in the hands of the less powerful partner and makes it harder for the more powerful one to seize the payments."

  • realnessuno

    "Wird zuwenig genutzt" klingt gut.



    Vor nicht zuvielen Jahren waren Einrichtungen die auch "mit Tätern arbeiteten" in der Schmuddelecke. Als Betreiber muss man sich immer noch ab und zu rechtfertigen, auch wenn es nachweislich Erfolge gibt.



    Vielleicht sollte sich mal die Stimmung verbessern, wenn es um "Täterarbeit" geht? Schaut euch mal die Grundlagen von Gewaltpädagogik an und welche Einrichtungen damit arbeiten. Nein es ist nicht das wonach es klingt :-)