Die Anwohner der Lagunenstadt wehren sich gegen die Zerstörung ihres Lebensraums. Der Abriss des Armenviertels Makoko in der Lagune von Lagos wird zum Politikum.von Katrin Gänsler

Lagos „Schmuddelkind“ Makoko soll verschwinden. Bild: ap
COTONOU taz | Makoko muss bleiben und darf auf gar keinen Fall dem Wasser gleich gemacht werden. Das haben mehrere hundert Einwohner aus Afrikas größtem Wasserslum gestern vor dem Gouverneurssitz in Lagos gefordert.
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„Gouverneur Fashola! Unsere Rechte sind Menschenrechte“ und „Wir sind keine Fremden“ haben sie auf ihre Plakate geschrieben. Seit gut einer Woche reagieren Angst und Wut das Leben in der Lagune von Lagos.
Seitdem ist das Abrisskommando aktiv, und offensichtlich geht es besonders brutal vor. Am Samstag erschoss die Polizei einen der Makoko-Chefs. Dabei wollte Timothy Agbe nur die Zerstörung stoppen und seine Leute vor der Obdachlosigkeit bewahren.
Laut Felix Morka, Leiter des Zentrums für soziale und wirtschaftliche Rechte (SERAC) seien davon bereits 30.000 Menschen betroffen – also knapp jeder dritte Einwohner.
Vage Drohungen, Makoko abzureißen, geisterten zwar immer wieder als Gerücht durch Lagos. Doch dass die Gerüchte ausgerechnet jetzt Wahrheit werden, entsetzt und enttäuscht Morka.
Kurz bevor der Abriss am 12. Juli angekündigt wurde und den Einwohnern ganze 72 Stunden blieben, um ihr Hab und Gut zusammen zu packen, gab es Gespräche mit der Weltbank. Mit verschiedenen Geldgebern, privaten Unternehmen, nicht-staatlichen Gruppen und den Bewohnern sollte Makoko lebenswerter gemacht werden.
Davon will auf Seiten der Regierung offensichtlich nun niemand mehr wissen. Stattdessen reibt sich nun die politische Opposition die Hände. Makoko – das Schmuddelkind von Lagos – wird zum Politikum.
In einer Pressemitteilung nennt die Peoples Democratic Party den Abriss „unmenschlich“ und fordert Gouverneur Babatunde Fashola (Action Congress of Nigeria) auf, den Vertriebenen eine adäquate Unterkunft zu besorgen.
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