In Umfragen liegt Angela Merkel vorne, die Ansichten der CDU sind mitunter nicht konservativer als die der SPD, aber eine richtig gute Alternative ist nicht in Sicht.von Katrin Gottschalk

Angela Merkel, huldvoll winkend. Bild: dpa
In der letzten Woche hat eine Forsa-Studie ergeben, dass Angela Merkel (CDU) nicht nur so beliebt ist, wie seit fast vier Jahren nicht mehr, sondern im Moment mit 66 von 100 möglichen Punkten auch noch die beliebteste aller PolitikerInnen ist. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) dümpelt dagegen mit 48 Punkten im Mittelfeld herum – zumindest aber noch vor Gregor Gysi (Die Linke) und Philipp Rösler (FDP), die gemeinsam im Schlusslicht stehen. Kann dieser Frau denn niemand das Wasser reichen?
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Während die Kanzlerin vor allem dadurch überzeugt, dass sie nirgendwo wirklich anstößt, tritt Steinbrück von einem Fettnäpfchen ins nächste. Mal beschwert er sich über das niedrige Kanzlergehalt, dann bezeichnet er Silvio Berlusconi und Beppe Grillo als „Clowns“ und ein anderes Mal versucht er seine größte Konkurrentin zu diskreditieren, indem er ihre Beliebtheit mit einem „Frauenbonus“ zu erklären versucht. Immerhin – irgend eine Art von Bonus würde auch Steinbrück gut stehen.
Es ist aber sicher mehr als nur ihr Geschlecht, das Merkel in der Bevölkerung so beliebt macht. Die Kanzlerin versprüht das Gefühl, dass sie all die Probleme schon irgendwie lösen wird – auch wenn keiner weiß, wie.
Mit ihrem zuverlässigen Auftreten ist aus „Kohls Mädchen“ eine felsenfeste „Mutti Merkel“ geworden. Gerade scheint es fast, als könnte die Kanzlerin ähnlich lange im Amt verweilen, wie einst der „Vater der Einheit“ und zur Heldin ihrer eigenen Ära werden.
Bei so viel Eltern-Metaphorik könnte ein familienferner Peer Steinbrück doch eigentlich ganz gut dazwischenfunken. Nur haut er sich gerade mit diversen Sprüchen selbst in die Pfanne. Und was das Parteiprogramm der CDU angeht, verschwimmen die Grenzen zu anderen Parteien immer mehr, seit unter der CDU die Wehrpflicht abgeschafft wurde und mittlerweile sogar Themen wie die gleichgeschlechtliche Ehe ernsthaft innerhalb der Christdemokraten diskutiert werden – auch wenn diese Debatte vorerst abgewürgt wurde.

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Foto: tazUnd doch wäre ein Führungswechsel nicht schlecht! Über allem liegt eine gewisse Schwere und Langeweile. Von Aufbruch ist nichts zu spüren. Weder bei den PolitikerInnen – noch bei den WählerInnen selbst. Ein alter Spruch von Joseph de Maistre besagt: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“ Ist das so? Ist Angela Merkel unser Schicksal?
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Leserkommentare
12.03.2013 13:08 | Stag
Wenn man bedenkt, was Merkel und ihre MinisterInnen alles für den reibungslosen Lauf der Wirtschaft vermurksen in Sachen Rü ...
10.03.2013 15:23 | Bürger1972
Ich verstehe die konfusen Debatten hier nicht: Für die einen, die sich Deutschlands Untergang wünschen, ist sie - Merkel - ...
07.03.2013 09:32 | yup
Ja, und das Wort Schicksal beschreibt es ganz gut. Die Bundesbürger haben Angst zu verlieren. Es geht um Job, Besitz, Selbs ...