Streit der Woche: Müssen Linke bio essen?
Bio-Produkte gehören zur gängigen Vorstellung von linkem Lebensstil. Doch auch sie werden industriell hergestellt und unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen vermarktet.
Was macht echte Linke eigentlich aus? Gesundheitslatschen und Kleidung aus dem Secondhandshop gehören fix zu ihrem Erscheinungsbild. Sie bilden Lichterketten, um für den Weltfrieden zu demonstrieren und ketten sich an Schienen, um Castortransporte zu stoppen. Sie gehen gegen Tiertransporte auf die Straße und sind Veganer aus Überzeugung. Als kritische Konsumenten kaufen sie ihre Lebensmittel im Bioladen, denn bio gehört zum „Links sein“ einfach dazu.
Es gibt viele Merkmale, die in der gängigen Vorstellung als typisch links gelten. Doch es stellt sich die Frage, was mit Menschen ist, die nicht all diese Kriterien erfüllen. Darf eine Person, die Schaufenster von Pelzverkäufern mit Protestsprüchen beschmiert, aber konventionell hergestellte Lebensmittel isst, nicht links sein? Ist sie vielleicht nur teilweise links?
Es scheint naheliegend, dass linkes Engagement zur Verbesserung der Welt, auch verantwortungsbewusstes Konsumverhalten bedingt. Und Bio-Produkte stehen eben für umweltbewusstes und ethisches Einkaufen. Mittlerweile weiß man aber, dass nicht alles, was sich bio und fair nennt, es auch wirklich ist. Skandale, wie Etikettenschwindel und Verstöße gegen das Arbeitsrecht, gab es auch in dieser Branche. So gesehen entspricht Bio nicht mehr den Prinzipien der Weltverbesserung.
Bio-Befürworter lassen sich dennoch nicht beirren, versprechen doch strenge Richtlinien von staatlichen Biosiegeln und Bioverbänden Garantie. So müssen Bio-Bauern auf Kunstdünger und Pestitzide verzichten und Tiere artgerecht halten.
Lesen Sie die Antworten von Experten, Prominenten und taz.de-Lesern zum Streit der Woche in der sonntaz vom 14./15. August – erhältlich zusammen mit der taz am Kiosk oder direkt in Ihrem Briefkasten. Wollen Sie mit dabei sein? Dann schicken Sie uns Ihren Kommentar an streit@taz.de. Mehr dazu im Kasten rechts oben.
Fernab vom ethischen Gedanken, ist Bio aber auch zur Marketingstrategie geworden. Bioprodukte halten als Gewinnbringer und Imagebewahrer von Unternehmen wie Aldi her, in denen fragwürdige Arbeitsbedingungen herrschen. Ist das noch mit einer linken Sichtweise vereinbar?
Vielleicht liegt da sogar ein Widerspruch zwischen dem Links sein und bio kaufen.
Was meinen Sie, müssen Linke bio essen?
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert