Türkei: Behörden ordnen zehn Jahre nach Putsch 1.000 Festnahmen an
In der Türkei wird nach 968 Verdächtigen gesucht, teilte der türkische Justizminister mit. Sie alle sollen Verbindungen zur Gülen-Bewegung haben.
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afp | Kurz vor dem zehnten Jahrestag des gescheiterten Militärputsches in der Türkei haben die Behörden die Festnahme von fast 1.000 Menschen mit mutmaßlichen Verbindungen zur sogenannten Gülen-Bewegung angeordnet. Bei einer landesweiten Aktion werde nach 968 Verdächtigen gesucht, teilte Justizminister Akın Gürlek am Montag mit. Gürlek und Innenminister Mustafa Çiftçi bezeichneten das Vorgehen im Onlinedienst X als Teil einer „großen Säuberungsaktion“.
Der Kampf gegen das „Netzwerk“, das Ankara als „Terrororganisation“ und „parallele Staatsstruktur“ bezeichnet, werde „mit derselben Entschlossenheit wie am ersten Tag“ fortgesetzt, erklärten sie weiter. Sie begründeten das Vorgehen damit, dass das „verräterische Netzwerk den Fortbestand unseres Staates bedroht“.
Am 15. Juli 2016 hatte ein Teil des Militärs versucht, die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu stürzen. Bei Kämpfen wurden mehr als 250 Menschen getötet und etwa 2.000 weitere verletzt. Der Putschversuch brach innerhalb weniger Stunden zusammen.
Die türkische Führung machte den damals in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Umsturzversuch verantwortlich. Gülen, ein früherer Verbündeter Erdoğans, wies den Vorwurf bis zu seinem Tod im Jahr 2024 zurück. Ankara kündigte an, seine Bewegung vollständig aus Staat und Gesellschaft zu entfernen.
Zwei Jahre Ausnahmezustand
Nach dem Putschversuch verhängte die Regierung für zwei Jahre den Ausnahmezustand. Bei großangelegten „Säuberungen“ wurden Hunderttausende Menschen festgenommen und Zehntausende Beschäftigte aus Militär, Polizei, Justiz, Bildungswesen, Medien und Diplomatie entlassen.
Der gescheiterte Putsch gilt als Wendepunkt der jüngeren türkischen Geschichte. Erdoğan nutzte die anschließenden Maßnahmen, um seine Macht auszubauen. 2018 trat ein Präsidialsystem mit weitreichenden Befugnissen für das Staatsoberhaupt vollständig in Kraft.
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