Urlaub mit Kindern: Dalmatische Elegie
Auch auf der kroatischen Insel Brač ist es heiß, der Sohn hat schlechte Laune und die Mountainbikes plätten einfach nicht den Berg.
B rač ist eine Insel vor der Küste von Split, die hauptsächlich aus Felsen, Lavendel, Seeigeln, Pommes und schlechter Laune besteht. Jedenfalls, wenn man mit meinem Sohn unterwegs ist.
Die Einheimischen scheinen ein recht sonniges Gemüt zu haben, was allerdings auch daran liegen mag, dass ich ihnen meist dann begegne, wenn sie mir gerade etwas verkaufen. Mein Sohn verkauft mir nichts. Vielleicht kommt daher die schlechte Laune. Würde ich ihm Geld geben, damit er mit mir den staubigen Schotterweg zum ganz tollen Strand fährt, würde er vielleicht weniger meckern. Wäre das noch bedürfnisorientierte Pädagogik oder schon maskierte Aggression, die er später mal meinem Repräsentanten in der Familienaufstellung ins Gesicht brüllt?
Wahrscheinlich wäre es einfach Hilflosigkeit. Ich weiß doch auch nicht, warum die sehr guten geliehenen Mountainbikes auch im niedrigsten Gang die Bračer Berge nicht platter machen. Apropos hilflos: Neben den Einheimischen gibt es auf Brač noch andere Touristen. Deutsche, Österreicher, Engländer, Italiener, Spanier und, und, und. Sie sind urlaubsmäßig „gestrannt“, also irgendwo zwischen gestresst und entspannt. Sie wissen nicht, wo sie die Sonnencreme gelassen haben, wo der ganz tolle Strand sein soll oder was sie zum Abendessen in der FeWo kochen sollen.
All dies ficht meinen Sohn nicht an. Er weiß alles und kann alles. Kein Wunder, er ist sieben. Den lieben langen Tag sagt er der Welt, wie sie sich zu drehen hat. Der Erfolg gibt ihm recht. Sie trudelt schließlich immer noch um die Sonne, die ihren Job auch mal besser machen könnte, wenn es nach ihm ginge. Weniger stechend und schweißtreibend zum Beispiel.
Er hat Laufen gelernt, Radfahren, jüngst Lesen und im Sportunterricht, der meist so „Daumen zur Seite“ ist, das Spiel „Stolpergespenst“, das irgendwie so geht, dass zwei die Gespenster sind, alle anderen die Bettlaken, und wenn man an der Matte stolpert, kommt ein Ball ins Spiel, der eine Art Hund ist. Ich verstehe „Stolpergespenst“ nicht, woran man mal wieder erkennt, dass ich wohl ein bisschen doof bin.
Beim Nachdenken über Sport, Schule und Urlaub fällt mir die eigene Kindheit wieder ein. Ich war auch der Jüngste in der Familie, hatte zwar eine Brille und wusste alles, konnte aber viel weniger als mein großer Bruder und mein Vater. Bei Fahrradausflügen mussten alle auf mich warten. Ich hebe den Blick zur Biegung, wo der Große und mein Mann schon wieder stehen. Gerade, als ich Luft hole, um mit meinem Sohn eine verbindende Kindheitserinnerung zu teilen, trifft mich ein giftiger Seitenblick. „Du musst auch nicht immer absteigen, wenn ich absteige!“ Dann, den Rest der Familie fixierend, gemurmelt: „Hab echt die Nase voll diesem Scheißberg!“ Schon strudelt er voran wie ein sehr berufsmüder Zirkusaffe auf einem sehr kleinen Fahrrad.
Ich schiebe. Auf mich muss man warten. Wo ist eigentlich die Sonnencreme? Und was sollen wir heute Abend bloß kochen? Immerhin ist der ganz tolle Strand wirklich ganz toll. Und in der Dämmerung besteht Brač später aus Wellenrauschen, Partygerummse und Pizzaschwere.
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