Wenn sich die Windenergiebranche zur Messe in Husum trifft, werden Zelte zu Messehallen und Schiffe zu Hotels. Kleine Firmen finden das gut. Große sagen, die Branche sollte sich lieber in Hamburg treffen.von Daniel Kummetz

Klein, aber urig - oder doch zu mickrig? Das Messegelände der Husum Wind. Bild: dpa
Das Kraftzentrum der Messe Husum „Windenergy“ liegt rund drei Kilometer vom Messegelände entfernt in der Neustadt des nordfriesischen Ortes. Dort befindet sich das Husumer Brauhaus und um das Brauhaus herum gibt es weitere Kneipen. In denen treffen sich die Besucher und Aussteller nach Messeschluss. Am Eröffnungsabend sind alle Tische besetzt, auch in den Gängen herrscht dichtes Gedränge von Anzugträgern, die Kellnerinnen müssen sich ihren Weg freibrüllen. Das Netzwerken ist quasi unvermeidbar. Wer am Tresen ein Bier bestellt, wird immer Zeuge eines Fachgesprächs – und kann sich einschalten.
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Diese Nähe ist etwas, das die Marketing-Leute der Husumer Messegesellschaft gerne betonen. Das Branchentreffen gibt es seit einer Zeit, in der Windenergie noch nicht das große Geschäft war: Seit 1989 trifft sich die Branche in Husum, inzwischen im Zweijahresrhythmus.
Messe und Branche sind groß geworden: Seit Dienstag läuft die Windenergy 2012, 1.200 Aussteller aus der Branche wollen Geschäfte anbahnen, die Veranstalter erwarten rund 36.000 Fachbesucher an fünf Tagen.
Auch die Messe selbst ist ein Geschäft geworden, nachdem die Hamburger Messegesellschaft ihre Fühler ausgestreckt hat. Sie, früher Partner der Husumer, will das Geschäft gerne übernehmen und plant 2014 eine Konkurrenz-Messe in Hamburg. Ein Vermittlungsverfahren zwischen den beiden Messegesellschaften ist gescheitert (siehe unten).
An der Bar steht Thomas Heidenreich, Projektmanager bei Energy Consulting, einer Energie-Beratungsfirma aus Süddeutschland. Er spricht Menschen an, die sich an ihm vorbeidrängeln. Er suche Interessenten für ein Projekt, sein Unternehmen entwickelt Konzepte für den Windstrom-Direktverkauf.
Sein Chef Christian Meyer sagt: „Die Atmosphäre hier ist gut, das Networking geht sehr einfach.“ Er befürchtet, dass man sich in Hamburg aus den Augen verlieren würde. „Für die großen Hersteller, die für den Export produzieren, wäre eine Messe in der Großstadt sicher besser“, sagt Meyer. Das internationale Publikum habe es dort sicher einfacher. Aber die kleineren Unternehmen bräuchten die Nähe. „Ich glaube nicht, dass zum Beispiel Windparkbetreiber nach Hamburg kommen würden.“
In Husum selbst gibt es nur eine feste Messehalle und ein Kongresszentrum – viel zu wenig für die Windenergy. Deshalb gibt es zusätzlich ein kleines Zeltlager am Rande der Stadt – sieben Hallen sind Zelte.
In den Hallen haben die Hersteller von Windanlagen, Zulieferer und Dienstleister ihre Stände. Der Boden bebt leicht bei jedem Schritt. Die Straßen zur Messe sind normale Kleinstadt-Ausfallstraßen. Während des Aufbaus und am Eröffnungstag gab es Stau. Die Parkplätze für mehrere tausend Autos liegen rund vier Kilometer entfernt. Auch das Handynetz hält dem Ansturm nicht immer stand. Und die Stadt füllt sich.
„In Husum ist alles nicht ganz normal“, sagt ein Mitarbeiter einer anderen Beratungsgesellschaft, er steht rauchend vor dem Brauhaus, ein Bier in der Hand. Sein Chef spricht mit einem französisch-libanesischen Projektentwickler Er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung sehen. Man merke, dass die Messe auf einem Acker gebaut sei und Hotelplätze fehlten. „Wir schlafen in einem Ferienhaus.“
Im Hafen von Husum liegen vier Großsegler, sie dienen als Hotelschiffe für die Messegäste. Das sei alles improvisiert, sagt der Berater, eine richtige Infrastruktur fehle. Er ist als Mitarbeiter gerne hier: „Die Standpartys sind legendär.“ Nach Messeschluss laden die großen Unternehmen großzügig ein.
Aber an die Zukunft des Standorts glaubt auch er nicht. „Für die Großen ist Hamburg besser.“ Die bräuchten die Nähe zum Flughafen und mehr Hotels. Und die Kleinen müssten den Großen folgen. Sein Unternehmen setze auf Hamburg.
Für Peter Becker, Geschäftsführer der Messe Husum, sind solche Kritiken „kleinkarierte Mäkeleien“, die nur durch den Streit mit Hamburg groß geworden seien. „Ja, Großstädte haben Infrastruktur, aber es geht nicht schneller“, sagt Becker. Im Umkreis von 35 bis 45 Minuten mit dem Auto gebe es 35.000 Hotelbetten.
Becker argumentiert mit der Lage von Husum: Der Ort sei umgeben von Windkraftanlagen. „Am Ende müssen Sie sich fragen: ’Bin ich bereit, durch einen Windpark anzureisen oder will ich im Stau stehen?‘“
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Leserkommentare
20.09.2012 10:47 | Katpe
Alles richtig! Die Zeiten der kuscheligen Matschwiese sind überholt. Die Branche ist erwachsen geworden und benötigt auch e ...